Ich moechte ein Tuerke werden

Hier ist ein Artikel, welches an Sarkasmus, Zynismus, Menschenverachtung und Realitaetsverlust kaum zu uebertreffen ist. Man wuerde meinen, dass man so etwas bei den PiPiFanten finden wuerde, aber es wurde in dem Broder-Blog AchGut veroeffentlicht, welches natuerlich fuer die Hetzer von PI-News eine Steilvorlage ist.

In dem Artikel geht es hauptsaechlich darum, dasss ein gewisser Detlef Alsbach Bundeskanzlerin Merkel einen Brief schreibt, indem er sie bittet, ein Tuerke werden zu duerfen. Denn als Tuerke haette man ja soviele Vorteile in Deutschland. Von den Diskriminierungserfahrungen bei der Job- und Wohnungssuche z.B. liest man natuerlich nichts. Man sollte Detlef wirklich wie einen Tuerken aus der Gastarbeitergeneration verkleiden, und ihn losschicken, damit er sich ein Bild machen kann. Guenter Wallraff (Foto oben) hat es ja selber mal durchlebt, in dem er sich als den Tuerken Ali Sinirlioglu ausgegeben hat. Seine Erfahrungen hat er in dem Buch Ganz Unten geschildert.

Hier sind einige Aussagen von Detlef, warum er so gerne Tuerke in Deutschland waere:

[…]Ich möchte Türke werden. Es gibt in diesem Land so viele Türken, da ist es nur legitim und auch wohl solidarisch, wenn ich Türke werde. Eine wichtige Voraussetzung, Türke zu werden, habe ich ja schon: ich spreche kein Wort türkisch. Also die besten Voraussetzungen.

Dieser Wunsch hat sich sukzessiv gebildet, es gab immer wieder Dinge in meinem Leben, wo ich gemerkt habe, dass es von Nachteil ist, Deutscher zu sein und von Vorteil ist, Ausländer (klassisch) zu sein. Das tägliche Leben wird einem erheblich erleichtert, wenn man Ausländer ist. Es gibt unermessliche Vorteile bei der Bundesagentur für Arbeit, bei Behörden und sogar bei Meinungsverschiedenheiten. Wenn ich Türke bin, kann ich zum Arbeitsamt gehen und die Welt ist wieder in Ordnung. Denn immer wenn ich als Deutscher dorthin ging, durfte ich froh sein, wenn man mich höflich grüßte. Wenn ich als Türke dahin komme und man unhöflich ist, kann ich den Sachbearbeiter oder wen auch immer als ausländerfeindlich beschimpfen. Das klappt immer. Und schon werde ich in Ruhe gelassen. Wenn man als Deutscher einen Antrag, egal bei welchem Amt, falsch ausfüllt, muss man nochmals ran, sich dann wieder erneut in der Schlange anstellen und warten. Als Ausländer ist das anders, da kann ein Antrag doch einfach so ausgefüllt werden. Fehler: egal. Der Sachbearbeiter wird sich mehr als bemühen, denn es droht ja immerhin die pauschale Keule der Ausländerfeindlichkeit.[…]

[…]Gerade die neue Situation als Ausländer bringt für mich beim Gang zum Arbeitsamt nur noch Vorteile, in deren Genuss ich dann komme. Niemand macht mehr Ärger, wenn ich eine Arbeit ablehne. Es sind keinerlei Gegenargumente zu erwarten, keinerlei Einwände, denn es besteht ja die Möglichkeit, den Sachbearbeiter mit einer Ausländerfeindlichkeit zu konfrontieren. Dieses universelle Argument kann und werde ich dann immer und überall anwenden.

Beim Sozialamt sowie beim Arbeitsamt gibt es alle möglichen Unterlagen in dann meiner neuen Sprache, jeder dort wurde auf die speziellen Ausländerbedürfnisse geschult. So werde ich dann hoffentlich über alle mir zustehende finanzielle Unterstützungen informiert.

Im täglichen Leben hat das Dasein eines Ausländers erhebliche Vorteile, denn man kann Meinungsverschiedenheit abblocken, indem man das Argument verwendet, wer nicht meiner Meinung ist, ist ausländerfeindlich. Kaum ein Bundesbürger wird an mir als Person oder an meinem zukünftigen Verhalten Kritik üben, ist doch jegliche Kritik ausländerfeindlich.[…]

[…]Und wenn ich Türke geworden bin, konvertiere ich zum Islam. Das mache deshalb, weil da so viele tolle Dinge drinstehen, so, dass man seine Frau züchtigen darf. Dann zeige ich meiner Frau aber, wo der Hammer hängt. Wollte ich schon immer mal. Mal ehrlich, ich habe nichts gegen Frauenfeindlichkeit, ist mir egal. Ich wechsele die Seiten und dann habe ich nur noch Vorteile. Soll meine Frau sehen, wie sie damit klar kommt. Dann gilt der Koran, da lasse ich keine Diskussionen zu.[…]

[…]Als Ausländer und bald als Moslem kann ich die Abschaffung aller christlichen Symbole verlangen, weil sie mich dann beleidigen und meinen Glauben verletzen. Darauf muss dann Rücksicht genommen werden. Und vielleicht wird es mir sogar gelingen, diesen heidnisch anmutenden Brauch des Karnevals feiern zu beseitigen, bei dem sogar in Köln die Prinzenproklamation zelebriert wird, ein Relikt aus der Nazizeit.

Ehrlich gesagt fühle ich mich als Ausländer dann sogar beleidigt und erniedrigt, wenn ich eine deutsche Fahne sehe oder wenn ich die deutsche Nationalhymne höre. Ich werde dann das deutsche Volk bitten, auf diese Beleidigungen und Erniedrigungen zu reagieren. Da erwarte ich dann einfach Rücksicht.[…]

Das folgende Vorwort aus dem o.g. Buch von Guenter Wallraff wird sicher die Ansichten ueber die Lebensrealitaet vieler Auslaender bei “Menschen” wie Ihnen, mein lieber Detlef, nicht beeinflussen:

„Sicher, ich war nicht wirklich ein Türke. Aber man muss sich verkleiden, um die Gesellschaft zu demaskieren, muss täuschen und sich verstellen, um die Wahrheit herauszufinden.

Ich weiß immer noch nicht, wie ein Ausländer die täglichen Demütigungen, die Feindseligkeiten und den Hass verarbeitet. Aber ich weiß jetzt, was er zu ertragen hat und wie weit die Menschenverachtung in diesem Land gehen kann.

Ein Stück Apartheid findet mitten unter uns statt – in unserer „Demokratie“.

Die Erlebnisse haben alle meine Erwartungen übertroffen. In negativer Hinsicht. Ich habe mitten in der Bundesrepublik Zustände erlebt, wie sie eigentlich sonst nur in den Geschichtsbüchern über das 19. Jahrhundert beschrieben werden.“

Weiterhin heisst es in der Zusammenfassung zum Buch bei Wikipedia:

[…]Nicht nur auf seinen verschiedenen Arbeitsstellen, auch im täglichen Leben, selbst wenn er fließend Deutsch spricht und selbst noch wenn er bei einem Fußballspiel der Deutschen Nationalmannschaft gegen die Türkei nur die deutschen Spieler anfeuert, muss Wallraff mit seinem südländischen Erscheinungsbild Demütigungen wie „Sieg heil“-, „Deutschland den Deutschen“- und „Türken raus“-Anfeindungen ertragen, es werden ihm Zigaretten ins Haar geworfen und Biere über den Kopf gegossen.[…]

Lieber Detlef Alsbach, ich wuerde Sie gerne mal als Tuerke, Afrikaner, Araber etc. die oben geschilderten Erfahrungen durchleben lessen. Und das meine ich ernst.

Ihr Versuch, einen witzigen Beitrag zu veroeffentlichen, ist nach meiner Ansicht klaeglich gescheitert. Ich kann mir jedoch gut vorstellen, wie sich die PiPifanten und Rechtspopulisten vor Lachen auf dem Boden waelzen. Congratulations.

Herr Alsbach ist, nach meiner Recherche zu beurteilen, bei dem rechten Haufen Pro Koeln und sitzt im Koelner Statdrat (detlef.alsbach@stadt-koeln.de). Es sagt schon einiges ueber Henryk M. Broder aus, dass er Rechtspopulisten ein solches Forum bietet.