Gespraech mit Irena Wachendorff: Juedischer Selbsthass und Friedensarbeit

Irena Wachendorff ist eine deutsche Autorin und Philosophin jüdischen Glaubens. Sie schrieb verschiedene Werk wie “Eurydike dreht sich um”. Neben ihrer Arbeit als Autorin setzt sie sich auch konsequent für einen Frieden im Nahen Osten ein und unterstützt dabei das Projekt Ein Bustan. Für ihre Friedensarbeit wurde sie von vielen antideutschen Gruppen angegriffen, wir führten ein Gespräch mit ihr.

Freiheitsliebe: Hallo Irena Wachendorff, du engagierst dich als Friedensaktivistin, wie kommt es, dass du bei diesem Engagement so viele Probleme mit dem antideutschen Lager hattest? Diese geben doch vor sich für den Frieden einzusetzen.

Irena Wachendorff: Eine gute Frage, die direkt dahin führt, was Frieden für Antideutsche bedeutet. Nimmt man den Frieden als einen anzustrebenden Zustand an, auf den verfeindete Parteien zuarbeiten müssen, um zu einem für alle Seiten akzeptablen Resultat zu gelangen, bedeutet Frieden sehr viel Arbeit und weitaus mehr als nur die Abwesenheit von Krieg. Für Antideutsche bedeutet Frieden die Abwesenheit von allem, was sie daran hindert ihre Sicht der Welt durchzusetzen, sprich, dem Staat Israel unkritisch uneingeschränkte Solidarität zu schenken sowie alle politischen Machbefugnisse zuzusprechen. So erscheint es den Antideutschen durchaus legitim, mit vielerlei Mitteln gegen alle störenden Elemente vorzugehen, die ihrer politischen Weltsicht entgegen stehen. Frieden bedeutet in diesem Falle „Sieg“. Auf der ideologischen Fahne der Antideutschen steht „Israel über alles in der Welt“ als das einzige Ideal eines wahrhaft kommunistischen, freien Staates auf dieser Erde. Kurioser Weise gilt jedoch die USA als einziger Verbündeter dieses Idealstaates…bis zur Wahl von Obama zumindest. Deshalb finden sich unter den Antideutschen die heftigsten Verehrer von Bush und seinen militärischen Einsätzen. Zu den natürlichen Feinden zählen natürlich alle arabischen Staaten sowie die Bundesrepublik Deutschland, da die Antideutschen davon ausgehen, dass es so eine Art vererbliches „Antisemitismusgen“ in Deutschland gibt. Im Übrigen erklärt sich auch daraus ihr Name.

Freiheitsliebe: In einem Bericht der NRHZ konnte man lesen, dass dir von den antideutschen gedroht wurde. Und das du dich aufgrund deines jüdischen Selbsthasses umbringen solltest. Wie kommen Menschen auf so eine kranke Idee?

Irena Wachendorff: Nun, das ist eine pikante Spezialität, die schon H.M. Broder den Antideutschen sozusagen „auf den Teller“ gelegt hat. Die peinliche Frage, wie man mit Juden umgeht, die das Feindbild „böser Muslim“ einfach nicht mittragen wollen musste ja schliesslich eine Lösung erfahren. Also Juden weltweit, sowie in Israel, die sich kritisch zur israelischen Politik äußern, sei es zur Siedlungspolitik, der Gazablockade, der Behandlung der arabischen Bevölkerung in Israel allgemein, die sich hier oder vor Ort einsetzen für Versöhnung und Chancengleichheit, der IDF den Rücken kehren, den Wehrdienst verweigern, sind ja keine zu vernachlässigende Grösse. Die Antideutschen sehen dies als ein „krankes Paktieren“ mit dem Feind. Solche Juden sind psychisch gestört, krank, „entartet“. Diese Juden müssen sich selber hassen, sonst könnten sie nicht freundschaftliche Gefühle für „ihre Mörder“ aufbringen und sich gegen ihr Land stellen. Das Kranke, „Entartete“ muss weg, es steht dem „Frieden“ entgegen. Darum wurde auch mir nahegelegt, mich aus der“ Depression meines jüdischen Selbsthasses durch Selbstmord zu befreien“. Wie man mittlerweile unschwer erkennt, nährt sich das Weltbild der Antideutschen auch gerne aus dem „braunen Näpfchen“ deutscher Geschichte. Als „sich selbst hassende Jude“ galten in dieser Zeit all jene Juden, die zum Teil getauft, mit „arischen“ Ehepartnern verheiratet und/oder völlig assimiliert in der deutscher Kultur aufgingen.
Broder hat da noch eine andere Biege genommen. Er erklärte kurzerhand jede Israelkritik zu Antisemitismus, jeden Kritiker des Staates Israel zum Antisemiten, und so wird aus jedem israelkritischen Juden eben ein Antisemit. Es scheint eben auch die Logik der Unlogik zu geben.

Freiheitsliebe: Du kritisierst als Friedensaktivistin alle Länder die Krieg führen, also auch Israel, denkst du das man Israel als Deutscher nicht kritisieren darf oder fordert unsere Geschichte, dass man sich ausdrücklich gegen jeden Krieg ausspricht?

Irena Wachendorff: Natürlich darf man und sollte man als Deutscher die Politik Israels kritisieren dürfen und zwar so, wie man eine verfahrene Politik in anderen Ländern auch kritisieren kann und sollte. Damit wäre in meinen Augen auch ein Stück Normalität gewonnen. Allerdings, wenn es sich tatsächlich um eine politische Kritik handelt. Ich bin immer höchst alarmiert, wenn bezüglich der Situation in Israel Vergleiche z.B. mit der Shoa gezogen werden und der Gazastreifen als KZ bezeichnet wird. Solche Vergleiche sind unannehmbar und dazu auch völlig falsch in der Sache; geschichtlich, politisch und die Umstände betreffend. Solche Argumente bedienen in der Tat dann eine andere Problematik, nämlich jener, die sich so äußern…. Ich bin Pazifistin. Die einzigen Soldaten, deren Einsatz ich vertreten kann, tragen blaue Helme.

Freiheitsliebe: Du engagierst dich sehr für das Projekt “Ein Bustan” wie würdest du dieses Projekt beschreiben und was treibt dich zu deinem Engagement?

Irena Wachendorff: Wie ich eingangs schon gesagt habe, den Frieden anzustreben ist Arbeit, mühsam, wird von Frustration und Rückschlägen begleitet und von jenen unterlaufen und attackiert, die von Krisen und Krieg provitieren. Man muss schon sehr viel Hoffnung und Mut in sich tragen, um nicht zu verzweifeln. Die besten Erfahrungen, die man im Leben machen kann, sind das Schließend von Freundschaften und das Erfahren von Solidarität. Wenn man diese Erfahrungen in seiner Kindheit macht, dann wurzeln sie besonders tief. Der erste arabisch-jüdische Waldorfkindergarten Israels, EIN BUSTAN in dem Bedouinendorf Hilf bei Kiryat Tivon, ist so gesehen ein „Basisfriedensprojekt“. Arabische und jüdische Kinder lernen voneinander Sprache und Kultur im Spiel, finden Vertrauen und Freundschaft. Über die Freundschaften der Kinder lernen die arabischen und jüdischen Familien einander zu verstehen. Sie teilen den Wunsch, ihren Kindern eine Welt jenseits von Hass und Unverständnis zu eröffnen und zu ermöglichen. Das Unbekannte verliert seinen Schrecken, Hass und Aggression wird damit der ideologische Nährboden entzogen. Ich denke , dies ist ein wunderbares Samenkorn des Friedens.

Freiheitsliebe: Du wurdest von vielen antideutschen Magazinen/Blogs angegriffen, gab es denn auch Internetseiten von denen du Unterstütztung erhalten hast?

Irena Wachendorff: Ja, ich habe viel Unterstützung bekommen im Internet, allerdings eher von „Mensch zu Mensch“. Zuerst nur virtuell, dann aber haben sich auch ganz wunderbare persönliche Freundschaften daraus entwickelt. Sehr positive Erfahrungen habe ich im blog von DyBth (Don’t you believe the hype) gesammelt und die „Freiheitsliebe“ finde ich ebenfalls hervorragend: Kritische, ausgewogene, intelligente Beiträge als wohltuendes Gegengewicht zur dümmlich- hetzenden Pipifantenwelt. Danke, Freiheitsliebender für dein Interesse und deine Fragen.

Freiheitsliebe: Wir danken dir für das Gespräch und wünschen dir weiterhin viel Erfolg!

Dieser Artikel wurde in dem Blog Die Freiheitsliebe meines Bloggerkollegen Freiheitsliebender veroeffentlicht. Ich bedanke mich bei meiner lieben Freundin ‘Dearena’ und dem Freiheitsliebenden fuer dieses tolle Interview und ihr Engagement.