Germany schafft sich away

In einer weltweit gesendeten BBC-Talkshow verbreitete Thilo Sarrazin seine Thesen auf Englisch. Mit sehr starkem Akzent. Peinlich Peinlich. Thilo hilft, Deutschland im Ausland ein Stueck mehr abzuschaffen.

Zu Beginn darf Thilo Sarrazin sich selbst vorstellen. Er sei der Autor eines Buches, das man vielleicht so übersetzen könne: “Germany is doing itself away”. Darin vertrete er drei Thesen. Eine davon laute: “The brightest people get the fewest babies”.

Wenn es um Verkürzungen geht, scheint Sarrazin immer noch einen draufsatteln zu können. Und es machte ihm offensichtlich auch nichts aus, dass seine kruden Thesen in der fremden Sprache noch kruder klangen.

Es war jedenfalls ein saftiger Einstieg in eine inzwischen sattsam bekannte Debatte. Rund 50 Minuten lang durfte der deutsche Bestsellerkönig am Dienstagabend in der BBC-Radiotalkshow “World have your say” seine Meinung über Muslime kundtun. Die Sendung erreicht Hörer in aller Welt. Mit Sarrazin diskutierten Anrufer aus Deutschland, Großbritannien und den USA. Per Facebook kamen weitere Meinungen hinzu. Der Beitrag ist auf der Übersichtsseite des Senders abrufbar.

Die meisten Anrufer konnten besser Englisch als Sarrazin, doch er ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Routiniert spulte er im Berliner BBC-Studio sein Programm ab, das er in Dutzenden Veranstaltungen in Deutschland bereits erprobt hat. Er warnte davor, dass politische Korrektheit die Demokratie gefährde und wies den Vorwurf zurück, er spalte das Land.

Mehrfach brachte er sein Standardargument, dass er ja nur “Fakten” vorlege. Dazu zählte dann, dass Juden aufgrund ihrer überdurchschnittlichen Intelligenz “Overachiever” seien und dass “Teile der Muslime” nun mal “Underachiever” seien. Ein paar Hörer zeigten sich empfänglich für seine Botschaft. Ein Jörg aus Niedersachsen sagte, er würde Sarrazin wählen, wenn er eine Partei gründen würde.

Doch die meisten Reaktionen waren kritisch. Den Vorwurf, ein verkappter Faschist zu sein, konterte Sarrazin kühl: Jeder sei für seine eigenen Worte verantwortlich. Er selbst habe sich stets moderat geäußert. Auf die Frage, wieso er ein Buch über ein Thema schreibe, für das er nachweislich kein Fachmann sei, entgegnete er, er sei ein Experte für Statistik.

Der Höhepunkt der Talkshow kam kurz vor dem Ende, als Kübra, Tochter türkischer Gastarbeiter, Sarrazin direkt auf ihre Lage ansprach. Er hatte zuvor bestritten, dass Muslime in Deutschland diskriminiert würden. “In Deutschland werden Türken und Araber nicht mehr diskriminiert als Italiener und Polen”, hatte er behauptet. Die Hamburgerin berichtete nun von Anfeindungen auf der Straße, weil sie ein Kopftuch trage, und fragte ihn, was sie tun solle.

Sarrazin entgegnete sinngemäß, sie sei selber Schuld daran. “Ich möchte, dass Sie sich integrieren”, sagte er. “Wenn Sie Ihr Kopftuch tragen wollen, ist das Ihre Entscheidung. Aber wenn Sie es tragen, sollten Sie nicht überrascht sein, wenn Sie als etwas Fremdes in der Umgebung angesehen werden. Diejenigen, die in Deutschland ein Kopftuch tragen, sondern sich freiwillig vom Mainstream ab. Es ist Ihre Entscheidung, ein Kopftuch zu tragen und in Deutschland zu wohnen. Sie könnten genauso gut in den USA oder der Türkei wohnen.”[…] (Quelle)

Man muss im Ausland gelebt haben, um wirklich zu verstehen, welches Bild von ‘dem Deutschen’ vorherrscht. Besonders bei den Nachbarn Deutschlands, die unter dem ersten und zweiten Weltkrieg gelitten haben, aber auch ausserhalb von Europa. Sarrazin’s Auftritt passt sehr gut in die Vorurteile, die man gegenueber dem Deutschen im Ausland hat.

Ich kann mir gut vorstellen, wenn nun noch mehr Fachkraefte Deutschland meiden. Ich habe sehr lange in verschiedenen Laendern im Ausland gelebt. Und Nachrichten, wie z.B. rassistische Uebergriffe auf Auslaender, rechtsradikale Aufmaersche,  oder the ‘ugly German’, welches sie an die Deutsche Geschichte erinnert, sind die Renner in den Fernsehstationen. Mir selber wurde des Oeftern der Hitlergruss entgegengestreckt, als ich sagte, dass ich aus Deutschland komme.

Man schaue sich die Spielfilme deutscher Produktion an, die im Ausland einigermassen erfolgreich sind: Fast ausnahmslos sind es Filme, die etwas mit dem Dritten Reich zu tun haben (Das Boot, Napola, Der Untergang…) Es gibt kaum andere Gelegenheiten (vielleicht Fussball noch), wo Deutschland Erwaehnung bei den auslaendischen Sendern findet. Traurig aber wahr, aber Sarrazin hat mit seinem Auftreten dazu beigetragen, das Bild des ‘ugly German’ zu bestaetigen.

Lesetipp: Deutschlands Ruf im Ausland, Deutschland eine Alternative fuer qualifizierte Fachkraefte?

Hier ist die Einleitung zu der Radiosendung: