Der Spiegel macht DIE FREIHEIT salonfaehig

Der Spiegel hat einen mehrseitigen und relativ ausfuehrlichen Artikel ueber Rene Stadtkewitz –  den Begruender der rechtspopulistischen, islamfeindlichen Partei DIE FREIHEIT – veroeffentlicht.

Der Artikel ist so verniedlichend, dass ich mich frage, was der Spiegel damit bezwecken will, und ob man nach den zahlreichen ‘islamkritischen Artikeln’ nun auch Sympathien fuer die neue Partei hegt.

Bei der Hetzseite PI-News, die den Spiegel normalerweise als linkes Schundblatt einstuft, sind alle auch relativ zufrieden ueber diesen Artikel, und schoepfen neue Hoffnung. Es wird sogar von einem Durchbruch, einer Trendwende gesprochen. Man sieht sich ermutigt, und auf dem richtigen Weg.

Nachfolgend sind die Highlights:

Ueber Geert Wilders:

[…]Es gibt ein paar Geschichten über ihn in Berliner Zeitungen, in denen Stadtkewitz meist als Rechtspopulist beschrieben wird.

Aber was heißt das?

“Tja, was soll das eigentlich sein, ein Rechtspopulist?”, fragt Stadtkewitz und kratzt sich am Kopf.

Jemand wie der Niederländer Geert Wilders?

“Das ist Quatsch. Rechtspopulist. Geert Wilders ist ein großer Demokrat und Liberaler. Ich kenne ihn ja gut.”

Aber Wilders sagt, dass man den Koran verbieten müsste. So wie man Hitlers “Mein Kampf” verboten hat.

“Ach, manchmal übertreibt Wilders”, sagt Stadtkewitz. “Aber man muss die Dinge auch zuspitzen dürfen. Die innere Ablehnung des Islam ist doch längst eine Mehrheitsmeinung in Deutschland. Das sieht man an der Sarrazin-Debatte.”[…]

Ueber Sarrazin, und wie Rene Stadtkewitz zu DIE FREIHEIT kam:

[…]Das Buch (Dybth: Deutschland schafft sich ab) ist dick und zahlengetränkt, kein klassischer Bestseller-Stoff. Aber es scheint ein verstecktes deutsches Gefühl offenzulegen: ein Gefühl von Bedrohung und Verlust.

In den vergangenen Jahren gab es ähnliche Debatten – die deutsche Integrationsdebatte ist ein Ritual, man kann darauf warten wie auf einen Herpes-Ausbruch. Nur gab es diesmal ein klares Feindbild: die Muslime.

Geführt wurde sie nicht in erster Linie von Politikern, sondern von den Buchkäufern. Allein das Buch zu kaufen glich einem Bekenntnis. Man sagte an der Kasse: Sarrazin hat recht.

Und diese Hunderttausende Käufer ließen in René Stadtkewitz das Gefühl wachsen, dass seine gerade in Gründung befindliche Partei ein Erfolg werden könnte. Es gab eine Stimmung im Land, und er, Stadtkewitz, müsste sie nur zu einer politischen Bewegung formen.[…]

Ueber den Neu-Bundesdeutschen Stadtkewitz (Man bedenke, dass viele Menschen muslimischen Glaubens laenger als Stadtkewitz in der BRD leben, und auch mehr zum Aufbau des Staates beigetragen haben, ja sogar mit Ihrem Solidaritaetszuschlag den Osten der Republik immer noch unterstuetzen. Siehe dazu diesen Artikel).:

[…]René Stadtkewitz wuchs in Ost-Berlin auf, einer islamfreien Gegend. Er macht Abitur, später baut er Industrieroboter in einem Ost-Berliner Betrieb. Im September 1989 verlässt Stadtkewitz die DDR. Mit seiner Frau und dem zweijährigen Sohn flieht er über Ungarn in den Westen. Nach der Wende kommt er zurück nach Berlin und tritt 1995 in die CDU ein, in erster Linie wegen Helmut Kohl und aus Dankbarkeit für die deutsche Einheit. Stadtkewitz wird Kreisvorsitzender in Pankow, später Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses. Er gilt als zurückhaltender, fleißiger Politiker. Stadtkewitz kümmert sich um die Bereiche Bauen und Stadtentwicklung, als 2005 plötzlich der Islam vor der Tür steht.

In Pankow, Stadtkewitz’ Bezirk, soll eine Moschee gebaut werden, die erste im Ostteil der Stadt. Die Bürger in Pankow wehren sich gegen den Moschee-Bau. Es gibt Demonstrationen, Unterschriftensammlungen und Lichterketten. Am Rande von Berlin, so sieht es aus, kämpft die freiheitlich-demokratische Grundordnung gegen die Islamisierung. René Stadtkewitz stellt sich an die Spitze der Protestbewegung.

Aber warum eigentlich?

Der Moschee-Bau, sagt er, sei für ihn der Auslöser gewesen. Die Bruchstelle, die sein Leben teilt. So wie es eine Zeit gibt vor und nach dem Mauerfall.

Stadtkewitz vergräbt sich in Büchern. Er liest den Koran, wobei er feststellt, dass dort “über 200-mal zum Mord an Andersgläubigen aufgerufen wird”. Er liest die islamkritischen Bücher von Necla Kelek, Ayaan Hirsi Ali, Udo Ulfkottes “Der Krieg in unseren Städten” und viele mehr. Gut 50 Bücher sind es bis heute. Je tiefer Stadtkewitz in den Stoff eindringt, desto größer werden auch seine Befürchtungen.[…]

Sein Ausschluss aus der CDU:

[…]In der CDU sind sie bald genervt von seinen Islam-Thesen, Stadtkewitz wiederum fühlt sich unverstanden, ausgegrenzt, er beklagt den Linkstrend der Partei unter Angela Merkel, und als 2009 eine islamkritische Veranstaltung, die Stadtkewitz organisiert, von der CDU abgesagt wird, tritt Stadtkewitz aus der Partei aus. In der Berliner Fraktion bleibt er. Aber dann trifft Stadtkewitz in Den Haag den Niederländer Geert Wilders, und Stadtkewitz ist begeistert von dessen Weg, der politischen Haltung und der Einschätzung des Islam als gefährlicher Ideologie. Stadtkewitz fühlt sich endlich verstanden. Er fragt Wilders, ob er zu einer Veranstaltung nach Berlin kommen würde. Wilders sagt zu. In Berlin stellt der CDU-Landeschef Stadtkewitz dann vor die Wahl: Wilders wieder ausladen – oder Ausschluss aus der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus. Seitdem ist René Stadtkewitz fraktionsloser Abgeordneter.[…]

Rene Stadkewitz hat nichts gegen Muslime:

[…]”Ich habe nichts gegen Muslime. Ich trenne zwischen Muslimen, der Religion Islam und der Ideologie Islam. Die Ideologie ist gefährlich”, sagt René Stadtkewitz.[…]

Diese These ist eine der albernsten, die diese Rattenfaenger benutzen. Wenn Muslime der Religion Islam folgen, folgen diese im Grossen und Ganzen auch dessen Ideologie. Das ist untrennbar. Das heisst, wenn die Ideologie gefaehrlich ist, dann sind es die Befolger (also, die Muslime) auch. Man sagt auch nicht, dass man nichts gegen Nazis hat, aber gegen die nationalsozialistische Ideologie ist. Man kann es nicht trennen.

Stadtkewitz wirbt um neue Mitglieder fuer seine Partei mit seinen simplen Thesen:

[…]”Wir müssen jetzt gegensteuern”, sagt Stadtkewitz, springt schnell in die Lücke und stellt die Eckpunkte seines Parteiprogramms vor: Einführung einer direkten Demokratie nach “Schweizer Vorbild”, ein bundeseinheitliches Schulsystem, gemeinnützige Arbeiten statt Hartz IV, weniger Steuern, eine neue Integrationspolitik und einen Zuwanderungsstopp.[…]

Ein Zuwanderungsstopp koennte man evtl. erreichen, aber was macht man den mit den ganzen Migranten, die schon in Deutschland sind? Ein Interessent bringt die Russland-Deutschen ins Gespraech:

[…]”Die Russlanddeutschen sind bei uns ein Problem”, präzisiert Jörg Bader. “Wir haben in Wetzlar fast eine Ghettobildung.”

Stadtkewitz schaut überrascht. Er ist Islam-Spezialist. Mit den Russlanddeutschen und den Ghettos von Wetzlar hat er nicht gerechnet.

“Was ich mir vorstellen könnte: Wir verlängern die Aufenthaltsgenehmigung nicht, wenn keine Integration vorliegt”, sagt Stadtkewitz schließlich.

“Aber manche werden wir nicht los, weil sie den deutschen Pass haben”, sagt Merkelbach leise. “Die Kasachen oder so.”

Die Kasachen-Frage kann Stadtkewitz vorerst noch nicht lösen, aber sie diskutieren über den EU-Beitritt der Türkei, den man verhindern muss, und über erneuerbare Energien, die unabhängig machen vom arabischen Öl..[…]

Und nochmal ueber das Parteiprogramm:

[…]Spricht man mit Stadtkewitz über das Parteiprogramm, kommt man zu dem Schluss: Stadtkewitz will eine Art Schweiz. Nur mit weniger Bergen. Aber ansonsten: strenge Zuwanderungsregeln, schnelle Abschiebung, Minarett-Verbot, direkte Demokratie durch Volksentscheide, EU-kritisch, christlich-abendländisch, weitgehend muslimfrei, patriotisch, staatsfern, sicher und reich. Zumachen das Land, denn von außen kommt selten etwas Gutes. Nur europäische Bürokratie, Globalisierung, Islamisten und fremdländische Sozialbetrüger.[…]

Angeblich wollte Kirsten Heisig mit Rene Stadtkewitz zusammenarbeiten. Das wird jedoch von denen, die sie kennen, bestritten (siehe hier). Auch mit Sarrazin hat Stadtkewitz versucht, ins Gespraech zu kommen. Der blasse Stadtkewitz braucht eine Persoenlichkeit, ein Zugpferd in seiner Partei, um den Bekanntheitsgrad zu erhoehen. Thilo Sarrazin waere schon ein grosser Fang. Aber Thilo ist (noch) nicht interessiert.

Auch eine Reise nach Israel hat Rene Stadtkewitz zusammen mit anderen Rechtspopulisten unternommen. Man will das rechte Schmuddelimage ablegen (siehe dazu auch diesen kritischen Artikel), und auf diese Weise salonfaehig werden:

[…]Geert Wilders, der Held der europäischen Anti-Islam-Bewegung, ist das Vorbild, auch wenn Stadtkewitz das nie so sagen würde. Aber er profitiert bereits von Wilders’ Kontakten. Stadtkewitz ist jetzt Teil einer europäischen Bewegung, und so fliegt er im Dezember nach Is-rael, zusammen mit dem Vorsitzenden der FPÖ, Heinz-Christian Strache, dem Belgier Filip Dewinter vom ähnlich ausgerichteten Vlaams Belang und Kent Ekeroth von den patriotisch-antiislamischen Schwedendemokraten. Sie fahren zu jüdischen Siedlern im Westjordanland, in die Stadt Ashkelon am Gaza-Streifen, sie beraten über “Strategien gegen den islamischen Terror”, und sie besuchen die Knesset, das israelische Parlament. Betreut wird die Delegation von Ariel Shomer, dem Kabinettschef des ehemaligen Staatspräsidenten Ezer Weizman.

Es ist nicht ganz klar, was die konservativen Israelis sich von Stadtkewitz und den anderen Parteiführern versprechen, vielleicht ist es aber auch ganz einfach: Sie haben eine Angst, die sie verbindet. Die Angst vor dem Islam.[…]

Stadtkewitz nimmt an der Tagung einer ‘islamkritischen’ Organisation mit anderen Gleichgesinnten in Kopenhagen teil:

[…]Stadtkewitz steht auf und winkt kurz wie ein Staatsgast, umtost vom Beifall der rund 200 Leute. Er ist hier ein Kampfgenosse. Ihr Mann aus Germany. […]

[…]Später spricht Jimmie Akesson von den Schwedendemokraten, die gerade ins schwedische Parlament eingezogen sind. “Der Islam versteckt sich nur hinter der Religion. Er ist eine politische Ideologie”, sagt Akesson. Er spricht vom Schweinefleisch, das in manchen schwedischen Schulen nicht mehr auf dem Speiseplan steht. Er spricht von der demografischen Entwicklung. “Im Jahr 2060 werden in England die echten, die ethnischen Engländer in der Minderheit sein.”

Eine Frau aus dem Publikum schlägt vor, dass alle Muslime in Schweden nur noch zwei Kinder bekommen dürfen, per Gesetz.

So geht es immer weiter. All die Leute im Saal, die Redner, die Parteien, Stadtkewitz – sie sitzen in ihrem Weltbild wie in einer Parallelgesellschaft der Abwehr, der Angst. Aber sie glauben, sie kämpften für das Gute: die Freiheit, die Moderne, die Werte des Westens. Sie sehen sich als Kämpfer gegen die dunkle Gefahr aus dem Morgenland. Das macht ihre Islamophobie für viele Ängstliche wählbar.

Stadtkewitz steht am Fenster und schaut hinaus auf Kopenhagen, Schnee fällt. Dann tippt ihm ein kleiner Mann in einem schwarzen Anzug auf die Schulter. Das ist Chaim Muehlstein aus Israel.

“Sie sind ein Hoffnungsträger für uns, hier in Europa”, sagt Muehlstein. “Sie und die anderen Parteien.”

Stadtkewitz lächelt beseelt.[…]

Es stellt sich die Frage, ob der Spiegel so einen verniedlichenden und verharmlosenden Artikel veroeffentlichen wuerde, wenn Stadtkewitz aehnliche Ansichten und Parolen z.B. ueber das Judentum verbreiten wuerde.

Ich habe die meisten Verniedlichungen in meiner Zusammenfassung ausgelassen. Bitte lest den vollstaendigen Artikel hier.