Broder ueber die Verhinderung des naechsten Holocaust

Nachfolgend ist ein Ausschnitt eines Beitrages von Henryk M. Broder zum Holocaust -Gedenktag:

[…]Was den Holocaust angeht, bedeutet das: Es wäre besser, den nächsten zu verhindern, statt immerzu den letzten zu beklagen. Das wäre freilich mühsam, und es würde einiges kosten – etwa vier Milliarden Euro. Das ist der Wert der deutschen Exporte in den Iran im Jahre 2010. Wer die Auftritte des iranischen Präsidenten verfolgt, kann nicht daran zweifeln, was er meint, wenn er Israel ein “Krebsgeschwür” nennt, das beseitigt werden müsse. Die Experten sind sich nur nicht darüber einig, ob Ahmadinedschad Israel “von der Landkarte ausradieren” oder nur “von den Seiten der Geschichte” entfernt sehen möchte. Derweil machen deutsche Firmen Geschäfte mit dem Iran, geben deutsche Künstler Gastspiele in Teheran, setzen deutsche Politiker auf Wandel durch Annäherung. Wenn das Erinnerungsarbeit ist, dann wäre es besser, die Geschichte zu vergessen.

Wer über Ahmadinedschad nicht reden will, der sollte über Hitler schweigen. Auch am 27. Januar. (Quelle)

Ich stimme Henryk Broder dahingehend zu, dass Verhinderung immer besser ist, als hinterher die Scherben aufzusammeln. Doch dass das ausgerechnet von Dirty Henryk kommt, ist schon etwas verwunderlich. Ist es nicht er, der Rechtspopulisten in seinem Blog frei gegen Tuerken hetzen laesst? Ist es nicht er, der aktiv mit polemischen Wortspielerein gegen die Muslime Stimmung macht? Hat er denn nicht aus der Asyldebatte gelernt, was fuer Auswirkungen geistige Brandstiftungen dieser Art haben koennen?

Ich glaube auch, dass Broder uebertreibt, in dem er Iran den naechsten Holocaust unterstellt. Die Iraner sind bestimmt keine dummen Menschen. Sie wissen, dass ein Angriff mit atomaren Waffen auf Israel auch ihr eigenes Ende bedeuten wuerde.

Sicher ist Ahmadinejad israelfeindlich eingestellt, aber bezueglich seiner “von der Landkarte ausradieren”-Aussage gibt es auch Meinungen unter Experten, dass es ein Uebersetzungsfehler ist, und er das nicht so gesagt hat. Dies sei eine Formulierung, die sich israelische und westliche Hardliner an sich gerissen haben, um mehr Zweifel an den Iranischen Absichten zu wecken.

Um nicht missverstanden zu werden: Ich bin kein Ahmadinejad-Fan, und glaube eher, dass er ein Teil des Problems ist, statt ein Teil der Loesung. Aber man sollte trotzdem versuchen, einigermassen bei der Wahrheit zu bleiben. Und Broder ist dafuer bekannt, dass er gerne uebertreibt und polemisiert. Und heucheln tut er natuerlich gelegentlich auch.

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