Ägypten: Mit Kreuz und Quran gegen den Terror

Nach dem Anschlag auf eine Kirche in Alexandria: In Kairo demonstrieren Christen und Muslime. Für die Einheit des Landes – gegen al-Qaida und Präsident Mubarak.

“Ich heiße Ahmad und bin Muslim, aber das ist jetzt unwichtig”, sagt der junge ägyptische Gymnasiast. In der einen Hand hält er den Koran, in der anderen ein Kreuz. “Ich bin gekommen, um gegen das zu protestieren, was unseren christlichen Brüdern geschehen ist, und um zu zeigen, dass sich die Religionsgemeinschaften in Ägypten nicht spalten lassen.”[…]

[…]Ägypten befindet sich im Schockzustand. Auch die junge Muslimin Sanaa ist nach Schubra gekommen. Sie ist nicht die einzige Kopftuchträgerin in dieser Demonstration. Das erste Mal in ihrem Leben nimmt sie an einer Demonstration teil. “Das war einfach zu viel, als ich die Bilder aus Alexandria gesehen habe. Ich bin gekommen, um meinen christlichen Mitbürgern mein Beileid auszudrücken”, sagt die Publizistikstudentin. In der Hand hält sie ein aus Karton selbst gebasteltes Kreuz und einen Halbmond. Im Hintergrund rufen die Demonstranten ihren Slogan: “Wer sind wir, wir sind Kopten und Muslime. Wir haben Kirchen und Moscheen und Jesus und Mohammed, na und?”[…]

[…]Der Mann hat noch nicht ganz zu Ende gesprochen, da kommt es zu einem Gerempel. Die ägyptischen Bereitschaftspolizisten kommen zum üblichen Einsatz. Denn wie jede Demonstration ist dem Regime auch diese Zusammenkunft suspekt. Die, die sich hier versammelt haben, wollten ein Zeichen setzen gegen das Terrornetzwerk al-Qaida und für die Einheit des Landes. Am Ende rennen sie alle vor der ägyptischen Polizei davon, Christen und Muslime.[…] (Quelle)

Ich habe in Aegypten fuer einige Zeit gearbeitet. Unter der Bevoelkerung wird kaum zwischen der Religionszugehoerigkeit unterschieden. Die Menschen sind miteinander befreundet, man gratuliert sich zu den Festen und alle sind stolz, Aegypter zu sein. Aeusserlich kann man die Christen eh nicht von den Muslimen unterscheiden. Auch in meinen Gespraechen mit den Muslimen wurde mir eindeutig gesagt, dass die Gruppen seit Jahrhunderten friedlich zusammenleben, und es die Pflicht eines Muslims ist, die christliche Minderheit gegen jegliche Gefahren zu beschuetzen. Allerdings bleiben die Menschen z.B. beim Heiraten eher unter sich. Liebesbeziehungen zwischen Menschen verschiedener Religionsgruppen werden von beiden Seiten nicht geduldet.

Leider sieht es etwas anders aus, wenn man sich die Diskriminierung durch die staatlichen Stellen anschaut. Viele Kopten, die ich kennengelernt habe, haben deswegen mit dem Gedanken gespielt, auszuwandern. Ich kann den Beobachtungen von Karim El-Gawahry in dem o.g. Artikel im Grossen und Ganzen zustimmen.

Die Aegypter sollten sich durch die Terroristen, die politische Ziele verfolgen und die Gesellschaft spalten wollen, nicht beeindrucken lassen. Sowohl alle wichtigen religioesen Geistlichen, als auch die als radikal bekannte Muslim-Bruderschaft haben den feigen Anschlaeg auf das Schaerfste verurteilt.

Was alle Bevoelkerungsgruppen in Aegypten gemeinsam haben, ist die Angst vor der Regierung und dem Sicherheitsapparat. Die Regierung muss endlich Reformen zulassen, und der Bevoelkerung mehr Freiheiten gewaehren. Das gilt selbstverstaendlich sowohl fuer die Christen, als auch fuer die Muslime. Die Religionsfreiheit und Ausuebung muss fuer alle gewaehrleistet sein.