Integrierter als gedacht

Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung widerlegt gängige Vorurteile gegen Migranten. In der Tendenz sind die Migranten sogar ehrgeiziger und weniger frauenfeindlich.

Vorurteile gegen Ausländer sind beliebt. Heinz Buschkowsky (SPD), Bürgermeister von Berlin-Neukölln, beobachtet etwa, wie unter Migranten „der Rückmarsch ins Mittelalter weiter fortschreitet“. Doch dieser Einschätzung fehlt offenbar die Grundlage, wie eine Umfrage im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung nahelegt, die heute veröffentlicht wird. Danach teilen Deutsche mit und ohne Migrationshintergrund erstaunlich viele Einschätzungen zu dem Thema Familie und Beruf. In der Tendenz sind die Migranten sogar ehrgeiziger und weniger frauenfeindlich.

Migranten sind der Umfrage zufolge beispielsweise deutlich karriereorientierter. Neun von zehn Befragten möchten beruflich weiterkommen. Fast jedem sechsten ist das sogar besonders wichtig. Bei den Befragten ohne Migrationshintergrund sind lediglich 45 Prozent so sehr auf ihre berufliche Entwicklung bedacht.

Laut einer Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung vom Herbst glaubt hingegen jeder dritte Deutsche, dass die Ausländer nur hierherkommen, um den Sozialstaat auszunutzen. Das Vorurteil hat die Bertelsmann-Stiftung nun erneut widerlegt – während der Mutterkonzern mit Thilo Sarrazins Buch „Deutschland schafft sich ab“ mit eben diesem Vorurteil weiter Millionen verdient. Die Stiftung hat zuletzt hingegen immer wieder rassistische und fremdenfeindliche Vorurteile als falsch entlarvt.

Familienministerin Kristina Schröder (CDU) macht „starke, patriarchalische Strukturen im Familienkreis“ vieler Migranten aus. Die Europaabgeordnete Silvana Koch-Mehrin (FDP) fordert ein europaweites Burka-Verbot, weil die Verschleierung der Frau für Werte stehe, die Europa nicht teile. Und für Wolfgang Bosbach (CDU), Vorsitzender des Innenausschusses, gibt es „viel zu viele Fälle von Integrationsverweigerung und Bildung von Parallelgesellschaften“. Zur These von wachsenden, frauenverachtenden Parallelgesellschaften passen die Ergebnisse der repräsentativen Umfrage der Bertelsmann-Stiftung aber ebenfalls nicht. So lehnen 74 Prozent der Befragten mit ausländischen Wurzeln die Vorstellung vom Heimchen am Herd ab. Auch 70 Prozent der Bürger aus muslimisch geprägten Ländern können diesem Mutterbild nicht zustimmen. Sie sind damit nicht konservativer als die Deutschen.

Auch bei der Aufteilung der Arbeit im Haushalt ist die Emanzipation bei den Migranten weiter. 41 Prozent der Männer mit Migrationshintergrund sehen putzen, kochen und Kinder großziehen als gemeinsame Aufgabe an. Bei den Befragten ohne Migrationshintergrund betrachten das nur 35 Prozent der Männer so. Gut die Hälfte der Befragten mit und ohne ausländische Wurzeln sieht die häusliche Arbeit als Frauensache.

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