Hohe Fertilitaetsrate und Kopftuch-Legende

Die Deutschen bekommen wieder mehr Kinder – aber liegt das etwa an den Einwanderern? Ein Blick in die Statistik zeigt: Die Sarrazin’schen Schmähungen sind ein Erfolg an Stammtischen – in den Kreißsälen der Republik sieht es anders aus.

Wenn man die neuen Geburtenzahlen des Statistischen Bundesamtes liest, erinnert man sich an die Sarrazin-Debatte des Sommers: Sind es vielleicht die “Kopftuchmädchen” und deren Brüder, von denen derzeit so viele zur Welt kommen und für einen neuen Baby-Boom in Deutschland sorgen? Wenn tatsächlich in diesem Jahr 20.000 Babys mehr geboren werden als im Vorjahr – liegt dies dann an Frauen aus anderen Staaten, die mehr Kinder bekommen als Frauen mit deutschem Pass und deutschen Eltern? Und falls das so ist: Spaltet ein solcher Trend die Gesellschaft, oder nähern sich die beiden Gruppen langfristig einander an?

Die erste Antwort muss recht unbefriedigend ausfallen: Ganz genau weiß das niemand. Denn die amtliche Statistik über Geburten in Deutschland achtet nicht auf das, was neuerdings “Migrationshintergrund” heißt. Wo die Eltern eines Neugeborenen aufwuchsen, welche Nationalität seine Großeltern haben und welche Sprache in der Familie gesprochen wird, erfassen die Standesbeamten bei der Registrierung der Geburten nicht. […]

[…]Das Ergebnis: Ja, es stimmt, Migrantinnen bekommen mehr Kinder als Deutsche. Der Unterschied ist allerdings nicht dramatisch. Die Geburtenrate ausländischer Frauen lag im Jahr 2006 bei 1,6; bei deutschen Frauen ergab sich ein Wert von bei 1,3.

Außerdem zeigte sich, dass Migrantinnen von Jahr zu Jahr weniger Kinder bekommen. Am Ende der siebziger Jahre lag die Geburtenrate der Migrantinnen noch bei 2,5 Kindern pro Frau. Doch seither ist sie immer weiter gefallen. Das legt nahe: Die Sarrazin’schen “Kopftuchmädchen” sind ein populistisch klug gewählter Begriff – doch in den Kreißsälen sind Immigranten-Kinder längst nicht in der Mehrheit.[…]

[…]Dass Einwanderer sich anpassen, scheint in Industriestaaten also ziemlich üblich zu sein. Eine Spaltung der Gesellschaft in eine Mehrzahl von Migrantenfamilien und eine Minderheit deutscher Familien ist jedenfalls nicht zu erwarten. (Quelle)