Ein Muslim hilft doch im Haushalt!

Vor einigen Monaten verweigerte die Gothaer Versicherung die Zahlung einer Haushaltshilfe an einen 79-jaehrigen Unfallopfer, der Muslim ist, mit der folgenden Begruendung:

[…]”Die traditionelle Ehe wird in der Regel nicht als Paarbeziehung verstanden; sie dient der Gemeinschaft. Es kann also nicht vom Vorbild der deutschen Ehe ausgegangen werden, wo sich die Eheleute den Haushalt teilen… Nach dem patriarchalen und traditionellen Mannesbild in der muslimischen Ehe führt der Ehemann nicht den Haushalt.”[…]

Nach dem Bekanntwerden des Vorfalls und der Berichterstattung einiger Medien entschuldigte sich die Versicherung (siehe hier). Jetzt ist die Gothaer Versicherung der Meinung, dass ein Muslim doch im Haushalt hilft. Die Neue-Westfaelische berichtet:

[…]Das Opfer eines Verkehrsunfalls erhält von der Gothaer Versicherung rund 170.000 Euro Schmerzensgeld, Schadensersatz und Entschädigung für die Beschäftigung einer Haushaltshilfe. Eigentlich nicht ungewöhnlich. In diesem Fall allerdings doch. Denn die Versicherung hatte einen Teil der Zahlung zunächst abgelehnt – weil das Opfer Muslim ist.[…]

[…]Martin Rother, Fachanwalt für Versicherungsrecht, forderte von der Versicherung des Verursachers nicht nur Schmerzensgeld, sondern machte auch einen Haushaltsführungsschaden geltend – eine Leistung, die Versicherungen dafür zahlen, dass ein Opfer seinen Haushalt wegen der Verletzungen nicht mehr führen kann und fremde Hilfe braucht.[…]

[…]Die Versicherung hat sich bei M. und Anwalt Rother für dieses Schreiben entschuldigt und klar gestellt, dass die Einschätzung der Sachbearbeiterin nicht der des Unternehmens entspreche. Der Fall wurde außerdem einem “Außenregulierer” übertragen, der bei größeren Schadensfällen persönlich vor Ort verhandelt.

Das Ergebnis nennt Rother “ordentlich”: Die Versicherung zahlt zusätzlich 80.000 Euro, 40.000 Euro davon für den Haushaltsführungsschaden. Rother hatte in den Verhandlungen Zeugen aufgeboten, die bestätigen, dass M. den Haushalt selbst führte. Das musste er auch, denn seine Frau ist berufstätig, in der Familie leben noch Kinder des Paares.

Lesetipp: Liebe Religionsgelehrte der Gothaer Versicherung!