Die Politik schafft seltsame Bettgenossen…

…Aber muss man deshalb gleich Perversionen praktizieren?

Da das Feindbild “Jude” fuer die europaeischen Rechten anscheinend ausgedient hat, und man damit keine Ratten mehr fangen kann, ist daher eine Neu-Ausrichtung eforderlich. Da ist es offensichtlich, dass man auf den allgemeinen islamfeindlichen Zug in Europa aufspringt und nach neuen Partnern sucht.

Israel wird im Allgemeinen von dieser Gruppe als die vorderste Front gegen den Islam gesehen. In einer ‘Jerusalemer Erklärung’ Anfang Dezember versicherten die Vertreter der rechten Parteien Europas  Israel ihre uneingeschraenkte Solidaritaet.

Die Juedische Allgemeine schreibt:

[…]ALTE KAMERADEN: Wem die Namen nichts sagen: Heinz-Christian Strache, in seiner Jugend Teilnehmer bei rechtsextremen »Wehrsportübungen«, ist Chef der rechts-populistischen FPÖ. Sein Parteifreund Mölzer ist unter anderem dadurch bekannt geworden, dass er als Abgeordneter im Europaparlament einer Entschließung zum Holocaustgedenken nicht zustimmen wollte. Über Filip de Winter, den Vorsitzenden der flämischen Separatistenpartei Vlaams Belang, ist bei Wikipedia zu lesen, dass er einst eine Rede vor flämischen SS-Veteranen mit dem Himmler-Motto »Meine Ehre heißt Treue« eröffnete. Patrik Brinkmann, deutsch-schwedischer Millionär, hat nach engen Kontakten zur NPD und Mitgliedschaft in der DVU vor geraumer Zeit seinen eigenen rechten Laden »Pro Deutschland« aufgemacht, der mit dezidiert fremdenfeindlichen Parolen das Terrain rechts von der CDU/CSU besetzen will.

Besonders ausgeprägten Philosemitismus kann man also keinem dieser Israelbesucher nachsagen. Ihre neue Nähe zum jüdischen Staat hat andere Gründe. Im rechtsradikalen Spektrum Europas tobt seit einiger Zeit ein Richtungsstreit um die Frage, ob das traditionelle Feindbild Jude nicht obsolet geworden ist und durch militanten Anti-Islamismus ersetzt werden sollte. Schließlich drohe die beschriene Gefahr einer »ethnisch-kulturellen Umvolkung« (Mölzer) eher von Millionen muslimischer Migranten als von den paar übrig gebliebenen Juden. Mehr noch: Im Kampf gegen den Islam sieht sich diese, vom eigenen Selbstverständnis her »moderne« Rechte, mit Israel nolens volens in einer Front, getreu der gern zitierten nahöstlichen Weisheit »Der Feind meines Feindes ist mein Freund«. Ganz nebenbei kann man sich auf diese Weise gleich auch von peinlichen Nazi-Traditionslinien absetzen, mit denen mittlerweile eh kein Blumentopf, sprich, Wählerstimmen zu gewinnen sind. Also wird bei »Ausländer raus«-Kundgebungen auch schon mal mit Israelfahnen gewedelt (so geschehen in Köln).[…]

[…]Darauf könnte man natürlich antworten, dass ein Land, genauso wie ein Schlagersänger, sich seine Fans nicht aussuchen kann. Fundamentalistische US-Christen etwa gehören zu den treuesten Freunden Israels. Soll das Land die Unterstützung dieser mächtigen Gruppierung ausschlagen, nur, weil deren Anhänger auch glauben, dass den Juden ewige Verdammnis droht, wenn sie sich nicht taufen lassen? So ist Politik eben. Besonders Wagemutige können sogar historische Vergleiche bemühen. Haben die Westmächte im Zweiten Weltkrieg nicht mit Stalin gegen Hitler paktiert? Winston Churchill sagte bei der Gelegenheit im Unterhaus, dass, wenn Nazideutschland demnächst der Hölle den Krieg erklären würde, er ein paar lobende Worte für Satan persönlich finden werde. Da wird man ja wohl auch noch einen Strache oder Brinkmann aushalten können.[…]

[…]Aber hier in der Diaspora könnte es peinlich werden – und mehr. Sollen demnächst jüdische Gemeinden an einem Tag gegen Fremdenfeinde auf die Straße gehen und am nächsten mit just diesen Rassisten gemeinsam für Israel demonstrieren? Eine atemberaubende Vorstellung. Zumal diese Art Gesellschaft auch sonst nicht gerade koscher ist. Man tritt den neuen Israelfreunden wohl nicht zu nahe mit dem Verdacht, dass ihr Zionismus von der Sorte ist, die am liebsten alle Juden in Israel sähe statt als Bürger des eigenen Landes. […]

Lesetipp: Habe herausgefunden, dass die Israelis Juden sind