Tuerkei nimmt Christen auf – Europa sperrt sie aus

Mehr als eine Million Christen lebten vor der westlichen Invasion 2003 im Irak. Inzwischen ist mehr als die Hälfte geflohen, die meisten nach Syrien, Jordanien oder in den Libanon – weil dort auch Arabisch gesprochen wird. Türkisch kann kaum einer der Flüchtlinge. Und doch kommen immer mehr von ihnen in die Türkei.

[…]Knapp 4.000 chaldäische Christen aus dem Irak dürften derzeit in der Türkei sein, schätzt Francois Yakan, Patriarchalvikar der chaldäisch-katholischen Kirche der Türkei und Leiter von KADER. Allein seit den jüngsten Angriffen auf Kirchen in Bagdad kamen mehr als 70 weitere christliche Familien mit insgesamt 300 bis 400 Personen in die muslimische Türkei. Hier können sie zumindest vorerst bleiben.[…]

[…]Für immer können die Iraker nicht in der Türkei bleiben, weil Ankara keine Flüchtlinge aus dem außereuropäischen Raum anerkennt. Die Türken erteilen irakischen Christen jedoch bereitwillig Visa und erleichtern ihnen damit die Flucht aus der Gefahr in ihrem Heimatland. Gemessen am offenkundigen Unwillen der europäischen Staaten, sich der Iraker anzunehmen, sei das schon beachtlich, findet Yakan: „Europa nimmt nur ganz, ganz wenige. Warum, das verstehe ich nicht.“ Schließlich wisse doch jeder in Europa, wie die schlimm die Dinge im Irak stünden. „Die Türkei nimmt diese Flüchtlinge seit Jahren auf. Warum verschließt Europa denn seine Türen?“

Der Patriarchalvikar hält sich zurück und wählt seine Worte mit Bedacht. Er möchte nichts Ungerechtes sagen über die Europäer. Doch seine Verärgerung bricht sich Bahn. Neulich habe Frankreich mit großer Geste 150 Menschen aufgenommen. „Das war eine reine Medienaktion; so macht man keine humanitäre Hilfe“, sagt er.[…]

[…]Die türkischen Behörden dulden sie im Land; neulich ordnete das Bildungsministerium außerdem kostenfreien Unterricht für Flüchtlingskinder in staatlichen Schulen an. In einigen staatlichen Krankenhäusern können sich die Iraker gratis behandeln lassen.

Es sind solche praktischen Hilfen, die Yakan von der Türkei erfährt – während von Europa wenig zu sehen oder zu hören ist. „Die Türkei hat im Mai 170 Kinder ins Land geholt, als im Nordirak die Bomben explodierten. Sie hat 60 Verletzte einen Monat lang hier behandeln lassen, aber sie hat keinen Medienrummel daraus gemacht“, sagt er.  „Die Türkei macht dauernd solche Sachen, aber die Europäer tun so, als gehe sie das alles nichts an.“[…] (Quelle: Domradio)

Waehrend in Westeuropa immer wieder ueber die Verfolgung der Christen in der Tuerkei gesprochen wird, hoert man nichts ueber die Tatsachen, die der o.g. Artikel beschreibt. Viele europaeische Laender, die sich fuer das christliche Abendland einsetzen, scheinen oeffentlich Wasser zu predigen, aber heimlich Wein zu trinken.

Ich habe z.B. noch nicht von einer Initiative der christlichen Parteien in Deutschland gehoert, diese Fluechtlinge aufzunehmen. Wie waere es, wenn Horst Seehofer – der einen besonderen Wert auf das “C” im Parteinamen zu legen scheint -, neben seinem Vorstoss, keine Auslaender aus dem muslimischen Raum mehr nach Deutschland zu lassen, den verfolgten irakischen Bruedern und Schwestern ein Zuhause in Bayern anbieten wuerde?

Auch zu Zeiten des Nationalismus hat die Tuerkei viele Verfolgte aus dem deutschsprachigen Raum aufgenommen. Einen ausfuehrlichen Artikel zu den christlichen Fluechtlingen in die Tuerkei gibt es auch im Tagesspiegel.