Sitzen fuer Araber, Schweine & Hunde verboten

Eli Zvieli hat den Holocaust überlebt. Heute widersetzt sich der 89-jährige Jude in der israelischen Stadt Safed Landsleuten, die Araber diskriminieren. Denn ein Oberrabbiner hat dazu aufgerufen, nicht mehr an arabische Studenten zu vermieten.

[…]Eli Zvieli ist 89 Jahre alt. Er stammt aus Siebenbürgen und hat den Holocaust überlebt. Seit 60 Jahren lebt er in Israel. Der Zorn richtet sich gegen ihn, weil er seit Semesterbeginn Zimmer an drei israelische Beduinen vermietet, die am College von Safed studieren.

Der Nachbar beschwerte sich. Er sagte: “Ich ertrage es nicht, Araber anzusehen.” Er bot Zvieli an, die Miete zu übernehmen, wenn er die Wohnung leerstehen lasse. Danach bot er an, sie zu kaufen. Zvieli lehnte ab. Der Nachbar ist leider auch der Oberrabbiner von Safed, das war Zvielis Pech.

Schmuel Elijahu hat schon gefordert, Kinder von Terroristen aufzuhängen. Und Wohngebiete zu bombardieren, aus denen Raketen auf Israel abgeschossen werden. Das neue Ziel des Rabbiners sind die Studenten.[…]

[…]Israel ist ein jüdischer Staat, aber ein Fünftel seiner Bürger sind arabische Muslime, Christen, Drusen. Insgesamt 1,5 Millionen Menschen gehören nicht dem Judentum an. Juden und Araber leben in getrennten Städten, lernen in getrennten Schulen und wählen getrennte Parteien. Es gibt Jobanzeigen, in denen steht “Avoda Ivrit” – “Hebräische Arbeit”. Das bedeutet: Arbeit nur für Juden.

Es geht in Safed um mehr als einen Nachbarschaftsstreit, um mehr als ein paar fundamentalistische Rabbis. Es geht darum, dass die jüdische Mehrheit sich nicht mehr verpflichtet fühlt, die Minderheit im Land zu tolerieren. Auf Bänken in Safed steht: “Sitzen für Hunde, Schweine und Araber verboten”.

Es scheint, dass der offene Araberhass der nationalistischen Regierung Wurzeln geschlagen hat.

Allein in den vergangenen Wochen hat die Regierung ein halbes Dutzend diskriminierende Gesetze in die Knesset eingebracht:

  • einen Loyalitätsschwur für öffentliche Angestellte und Neubürger auf den “jüdischen und demokratischen Staat”
  • ein Arbeitsverbot für arabische Fremdenführer in Jerusalem
  • ein Verbot für alle Organisationen, die den “jüdischen Charakter” des Staates in Frage stellen
  • Außerdem sollen kleine Gemeinden neue Bürger demnächst abweisen dürfen, wenn die Bewerber “sozial und kulturell” nicht zur Gemeinschaft passen – eine Einladung zur Diskriminierung.

Der Oberrabbiner war also nicht so weit entfernt von der offiziellen Regierungslinie, als er Anfang Oktober eine “Notfallsitzung” einberief. Das Motto: “Der stille Krieg – wir kämpfen gegen die Assimilation in der heiligen Stadt Safed.” 18 Rabbis aus Galiläa sprachen da vor 400 jubelnden Anhängern, sie sprachen vor allem über das, was sie hier die “Gefahr der Assimilation” nennen: arabische Männer, die mit jüdischen Frauen ausgehen.

Am Ende stellten die Rabbis ein religiöses Gebot aus: “Nachbarn und Bekannte müssen sich von dem Juden distanzieren, der an Araber vermietet, sie sollen keine Geschäfte mit ihm machen, ihm das Recht verwehren, aus der Tora zu lesen und ihn auf ähnliche Weise ächten, bis er diesen schändlichen Vertrag gelöst hat.”[…]

[…]Nur Eli Zvieli ging zur Polizei und erstattete Anzeige gegen Unbekannt. Zvieli, dessen Familie in Auschwitz starb, der erst Zwangsarbeiter war und danach in russischer Kriegsgefangenschaft als einziger Jude unter Tausenden deutschen Soldaten lebte.

“Wir Juden haben in Europa gelitten. Ich will nicht, dass wir gegenüber den Arabern genauso handeln”, sagt er und klingt noch immer geschockt, wenn er von den Drohungen erzählt. Er ist ein zierlicher Herr, lächelt oft und trägt gern eine verwaschene Schirmmütze. Mit fester Stimme sagt er: “Ich habe den Holocaust überlebt, mir macht nichts mehr Angst.”

Der Bürgermeister will über die Drohungen nicht reden, Ilan Schochat spricht lieber von der “berechtigten Sorge” des Rabbis und von der friedlichen Koexistenz der Religionen. Er berichtet, dass er ja auch 40 Araber im öffentlichen Dienst beschäftige. Was zeige, dass er kein Rassist sei.[…]

[…]Schochat ist 36 und damit der jüngste Bürgermeister Israels. Seine Stimme kratzt, er muss derzeit viel erklären. Denn die Zeitung “Haaretz” hat Safed zur “rassistischsten Stadt Israels” erklärt. Er sagt: “Für jemanden, der nicht aus Israel ist, klingt es vielleicht schrecklich zu sagen, man solle nicht an Araber vermieten. Aber für uns ist das normal.”

Für den Bürgermeister ist Safed die magische Hauptstadt von Kabbala und Klezmer, die Studenten dagegen brächten “schlechte Energie gegenüber den Juden” mit in die Stadt. “Sie hören am Sabbat laute Musik, sie rauchen Wasserpfeife vor der Synagoge, und dann machen sie auch noch die Mädchen an.” Um Frieden zu schaffen, sagt Schochat, soll jetzt die Polizei mehr Präsenz in der Stadt zeigen. Damit die Bürger sich beschweren können, wenn sie von Arabern belästigt werden.

Dass jedes Jahr 1,2 Millionen Besucher leichtbekleidet durch Safed laufen, scheint dagegen kein Problem. Ruhestörung durch Touristen wird akzeptiert. Durch Araber nicht.[…]

[…]”Es gab immer Leute, die nicht an Araber vermietet haben, aber sie taten das im Stillen”, sagt Ron Gerlitz von Sikkuy, einer Organisation, die sich für die friedliche Koexistenz einsetzt. “Heute fühlen sie sich von der Regierung ermutigt.” Gerade die neuen Gesetzesinitiativen heizten den Konflikt zwischen Juden und Arabern an, meint Gerlitz. Ein Grundkonsens der Gesellschaft werde in Frage gestellt, “nämlich der, dass wir alle gleichberechtigte Bürger Israels sind.”

Das führt dazu, dass sich manche Araber radikalisieren und letztlich bestätigen, was ihnen viele Israelis unterstellen: dass sie Landesverräter sind, eine fünfte Kolonne mit feindseligen Motiven. So wurde ein Imam aus Nazaret gerade vor Gericht gestellt, weil er Qaida-Ideologie predigte. 60 israelische Araber hat man dieses Jahr wegen sogenannter Sicherheitsdelikte verhaftet – so viele, wie seit Jahren nicht. In Umfragen sank der Anteil der Araber, die Israels Existenzrecht akzeptieren, von 81 Prozent im Jahr 2003 auf jetzt 60 Prozent.

Schochat, der Bürgermeister von Safed, meint eine Lösung für das Problem mit den arabischen Studenten gefunden zu haben. Die Hochschule solle einfach an den Stadtrand ziehen und ein großes Wohnheim bauen, sagt er. Dann gebe es keine Probleme mehr.[…]

(vollstaendiger Artikel im Spiegel)

Handelt ein Staat, den man immer wieder als die “einzige Demokratie im Nahen Osten” lobt, und der sich immer wieder gegen den Vorwurf wehrt, ein “Apartheid-Staat” zu sein, auf diese Art und Weise?

Das Beispiel von Firas Maraghy zeigt, dass Segregation, Ausgrenzung und Diskriminierung von Arabern in Israel zur Tagesordnung gehoert. Auch afrikanische Juden, sog. Falashas, werden diskriminiert:

[…]Pent-up resentment in the Falasha community finally erupted in fury on Jan. 24, 1996, when it was learned that Falasha donations to Israel’s national blood bank were routinely thrown away. They were not pacified by the excuse given. Zvi Ben Yishai, chairman of the National AIDS Committee, said it was because the Falashas had fifty times the incidence of AIDS as other Israelis. He said the practice was “justified for the protection of the public.”

However, Yoram Lass, a member of parliament and former director general of the health ministry, described the policy as “racist and unfounded scientifically.” He said Americans had a much higher AIDS rate but Israel would never consider banning blood donations by American Jews.

The revelation horrified the Falashas, who now number around 50,000. Adiso Masala, head of the Organization of Ethiopian Immigrants, said: “This is pure racism. We are blood brothers with the Israelis but our blood is thrown in the garbage because we are black.” Benny Mekonnen, 30, a reserve army major, said he was so mad that he was going to leave Israel: “I gave blood every year, once a year. They took our blood and threw it in the garbage…I am very, very angry.”[…] (Quelle)

Siehe hier fuer ein weiteres Beispiel.