Wie PI-News Morddrohungen generiert

Der Deutschlandfunk strahlte einen sehr hoerenswerten Beitrag von Dorothea Jung mit dem Titel Gefahr fuer die Gesellschaft aus, der sich mit der Zunahme der Islamfeindlichkeit in Deutschland, und des Versuches der weltweiten Vernetzung der sog. Islamkritiker auseinandersetzt. Bei der Verbreitung der Hassbotschaft und der Einschuechterung von Menschen, die deren menschenverachtende Ideologie nicht teilen, spielen Hetzseiten wie PI-News eine grosse Rolle. Den Beitrag koennt ihr euch hier anhoeren. Hier sind einige Kernaussagen:

[…]Die Webseite “pi-news” gibt vor, über Themen zu sprechen, die von den etablierten Medien entweder gar nicht oder nur zensiert aufgegriffen werden. Diese Medien sieht “PI” in den Händen von sogenannten Gutmenschen, die nicht merken wollen, dass sie ferngesteuert werden. Für die Berliner Wissenschaftlerin Yasemin Shooman sind diese “Gutmenschen” nach dem Islam die wichtigsten Feinde von “Politically Incorrect”:

“Es gibt quasi diese Vorstellung, dass sich die da oben, die Eliten, sich mit den Minderheiten gemeinsam verschworen haben gegen ‘das Volk’. Und das bedeutet eben auch, dass nicht nur die muslimische Minderheit Angriffsziel ist, sondern all diejenigen, die als Kollaborateure helfen dabei, das Abendland zu unterwandern, all die sind Ziel von Diffamierung auf Webseiten wie ‘Politically Incorrect’.”

Das bedeutet: Fernsehsendungen, in denen Muslime auftreten, Diskussionsrunden zum Thema Islam, Dialog-Veranstaltungen in Kirchen und sogar wissenschaftliche Vorträge werden von “PI” skandalisiert. Yasemin Shooman zur Vorgehensweise:

“Die klassische Form ist, dass es ein Team gibt, also eine Redaktion, kann man sagen, und diesem Team wird zugearbeitet. Von, sie nennen es selbst so, sogenannten Spürnasen. Das heißt: Die virtuelle Welt wird durchforstet nach Meldungen, zum Beispiel lokale Nachrichten werden ausgewertet, auf der Suche nach Fehlverhalten von Muslimen und diejenigen, die mit Muslimen zu nachsichtig sind; also regelmäßig wird dann die Email-Adresse dieser Person gepostet.”

Und so ist es für Aiman Mazyek nach TV-Auftritten immer ein zweifelhaftes Vergnügen, in sein E-Mail-Fach zu schauen. Mazyek ist der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland. Der islamische Verbandsfunktionär kann nach jeder öffentlichen Äußerung im Fernsehen sicher sein, dass ihm Hass-Mails zugesandt werden:

“Die meisten von diesen Mails sind sehr unflätige Texte und Inhalte, die unter die Gürtellinie gehen. Aber es gibt auch einige davon, die mich aus dem Lande am besten wünschen, aber es gibt auch Morddrohungen und auch Anschlagsdrohungen, und die bring ich dann zur Anzeige.”[…]

[…]Ähnliches weiß der Erlanger Rechtsprofessor Mathias Rohe zu berichten. Der Experte für internationales Privatrecht hat neben seinem Jurastudium ein islamwissenschaftliches Studium abgeschlossen und außerdem ein Buch über das islamische Recht veröffentlicht. An einen Vortragabend in München erinnert sich Mathias Rohe besonders ungern:

“Da waren im Publikum einige Leute, die sehr aggressiv aufgetreten sind, und als man dann diskutiert hat, sind die dann auf einmal aufgestanden, mehrere von ihnen, als ein Muslim sich zu Wort gemeldet hat, und sind aggressiv auf ihn und auch auf die Veranstaltungsleiterin zugegangen. Und das hat letztendlich dazu geführt, dass es einen allgemeinen Tumult gegeben hat, und die Veranstaltungsleiterin hat die Sache dann abgebrochen.”

Nach dem Vorfall stellte sich heraus, dass die Störer zu einer sogenannten “PI-Gruppe” aus München gehörten. Die Gruppe hatte ihre Vertreter ganz gezielt auf diese Veranstaltung geschickt. Und im Anschluss, so Mathias Rohe, konnte man auf dem “PI”-Weblog eine völlig verzerrte Darstellung der Ereignisse lesen:

“Dieser Bericht hat dann wohl dazu geführt, dass ich einige Stunden später eine E-Mail bekommen habe, das man als Morddrohung interpretieren darf. Das sind Dinge, die einen sehr wohl ins Grübeln bringen, wo man mit der Familie diskutieren muss: Wie ernst ist das zu nehmen, wo man dann auf einmal polizeiliche Beratung bekommt, über Sicherheitsmaßnahmen, und ähnliche Dinge mehr. Ich hab auch seitdem zum Teil noch wüste Zuschriften bekommen, weil wir angeblich irgendwie Mohammed unterstützen – haben wir nie getan – aber man sieht daran, welch verworrene Geister da zu Gange sind. Aber manche sind vielleicht auch schon gefährlich.”

Die Berliner Sozialwissenschaftlerin Naika Foroutan hatte es kürzlich gewagt, im Fernsehen die Statistiken von Thilo Sarrazin zu hinterfragen. Die 38-Jährige ist das Kind einer deutschen Mutter und eines iranischen Vaters. Naika Foroutan forscht zurzeit an der Humboldt-Universität in einem Projekt, das die Vielschichtigkeit muslimischer Identität in der Einwanderungsgesellschaft untersucht. In der Talkshow hatte die Wissenschaftlerin sich auch erkühnt, den Polemik-Routinier Henryk M. Broder zu unterbrechen, als der ihr das Wort abschneiden wollte. Talkshow-Praxis eben. Mit dem Schwall von Hass-Mails nach der Sendung hatte Naika Foroutan allerdings nicht gerechnet. Eine Mail, die mit vollem Namen und Adresse unterschrieben war, erhielt sie eine Woche lang täglich:

“Pfui, pfui, Sie wollen eine Deutsche sein, Sie sollten sich schämen, ich würde nicht mit Ihnen verheiratet sein wollen, Ihnen müsste man wie im Iran Peitschenhiebe auf den Hintern geben, dann wüssten Sie, wie Sie sich das nächste Mal benehmen.”

Und andere, die kamen:
“Gehen Sie doch dahin, wo Sie keinem Deutschen etwas zuleide tun können; dann auch immer wieder der Verweis darauf, dass ich hier nichts zu suchen hätte und dass ich doch nur auf Kosten des Sozialsystems meine Bildung hätte genießen können.”

In diesem Zusammenhang ist es wichtig, zu wissen, dass Naika Foroutan eine sehr attraktive Frau ist. Auf der Webseite von “Politically Incorrect” wurde die Forscherin herabwürdigend das “iranische Barbie-Püppchen” getauft. Wegen eines kleinen Fehlers in ihren Zahlen – sie hatte bei der Anzahl der türkischstämmigen Hochschulzugänge die Fachhochschüler nicht mitgerechnet – wurde ihre Fakultät mit Mails überschüttet, die ihre Kompetenz als Wissenschaftlerin infrage stellten. In den Kommentaren des “PI”-Weblogs hieß es, die “Dumm-Tussi” sei eine “Abgesandte aus dem Iran”. Mailschreiber forderten ihre Abschiebung. Zum ersten Mal in ihrem Leben hatte Naika Foroutan das Gefühl, nicht dazuzugehören – und zwar ausschließlich deshalb, weil man sie als Muslimin wahrnimmt. Oder genauer: sie als Muslimin “etikettiert”.

“Dabei bin ich ein Kind aus Boppard am Rhein”[…]

Nach der Logik der Islamfeinde von “Politically Incorrect” ist Naika Foroutan jetzt aber keine Bopparderin mehr, keine Deutsche, keine Wissenschaftlerin, kein verletzliches Individuum, sondern nur noch eine Muslimin. Und sämtlichen Muslimen schreibt die islamfeindliche Szene identische Wesenszüge zu: Danach sind alle Muslime frauenverachtend, homophob und antisemitisch. Eine derartige Zuschreibung von Charaktereigenschaften für Angehörige einer Religion nennt die Berliner Sozialforscherin Yasemin Shooman “rassistische Markierung”. Shoomans Schlussfolgerung: Wenn sich Geert Wilders, “PI” und Co. dann gleichzeitig als Verteidiger der Menschenrechte, der Rechte von Homosexuellen und als Freunde der Juden hinstellen, lenken sie von ihrem eigenen Rassismus ab[…]

[…]”Politically Incorrect” ist nicht das einzige islamfeindliche Weblog im Internet – aber das populärste. Im Übrigen sind fast alle Internetseiten dieses Spektrums miteinander verlinkt. Über das “PI”-Forum werden Kontakte hergestellt zu islamfeindlichen Bürgerinitiativen und Bürgerbewegungen in aller Welt. So arbeitet Stefan Herre, der Gründer von “Politically Incorrect”, eng mit dem Ex-CDU-Politiker René Stadtkewitz zusammen. Beide gemeinsam haben Geert Wilders nach Berlin eingeladen. Stadtkewitz wurde deswegen aus der CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus ausgeschlossen. Er gründet gerade nach dem Vorbild von Geert Wilders eine deutsche islamkritische Partei, die sich “Die Freiheit” nennt. Gleichzeitig ist René Stadtkewitz der Berliner Vorsitzende der islamfeindlichen Bürgerbewegung ‘Pax-Europa’.[…]

Ich hatte hier auch schon mal ueber das Auftreten einer PI-Gruppe bei einer Veranstaltung berichtet.

Vielen Dank an Nadim fuer den Hinweis