Raus mit der Sprache. Rein ins Leben

Mit Prominenten aus Musik, Sport und Politik moechte die Deutschlandstiftung Integration die Wichtigkeit der deutschen Sprache betonen. Die Kampagne mit dem Titel “Raus mit der Sprache. Rein ins Leben“ soll die in Deutschland lebenden Migranten darueber aufklaeren, dass der Schluessel zu einer erfolgreichen Integration in erster Linie die Sprache ist.

Hier ist das Beispiel von Aygül Özkan, CDU-Ministerin in Niedersachsen:

Als Nebeneffekt soll die Kampagne auch der ur-deutschen Bevoelkerung verdeutlichen, dass es viele erfolgreiche Beispiele der Integration gibt.

Ich stehe dem Erfolg dieser Kampagne skeptisch gegenueber, denn es trifft nicht den Kern des Problems. Bei dieser aufgeheizten Debatte geht es nur um die Muslime, hauptsaechlich aus dem arabischen und tuerkischen Raum. Kein Mensch redet ueber die Integration von Polen oder den Schweden. Man versucht, die islamische Religion als Hindernis fuer die Integration darzustellen. Die Debatte um die deutsche Sprache ist meiner Meinung nach eine Scheindebatte.

Um es klarzustellen: Natuerlich ist die Beherrschung der Landessprache mit das wichtigste Kriterium fuer eine erfolgreiche Integration. Aber: Die ueberwiegende Mehrheit der Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland spricht gut Deutsch, fuehlt sich aber dennoch diskriminiert und nicht dazugehoerig. Viele gut ausgebildete Akademiker/innen und Fachkraefte wollen auswandern. Diejenigen, die schlecht Deutsch sprechen sind hauptsaechlich die aeltere Generation, die als Gastarbeiter in den 60-70ern nach Deutschland gekommen sind, und die Neuankoemmlinge. Die Gastarbeitergeneration sollte man mit der Debatte um die deutsche Sprache in Ruhe lassen. Diese sind jetzt meistens im Rentenalter und man sollte sie im letzten Abschnitt ihres Lebens nicht mit Sprachkursen noetigen.

Die derzeitigen Debatte zeigt, was schief laeuft: Einige Politiker und oeffentliche Personen fuehren eine ideologische Debatte, und werfen alle muslimischen Migranten in einen Topf. Aus einigen wenigen schlechten Beispielen der Integration verallgemeinern einige Scharfmacher, und vermitteln der Bevoelkerung ein Bild, als ob es ein generelles Problem waere. Kronzeugen – wie Necla Kelek, Seyran Ates etc. – die bei der deutschen Bevoelkerung besonders glaubwuerdig wirken, da sie aus dem muslimischen Kulturkreis kommen, und die ihre persoenlichen Erfahrungen und Traumata auf die gesamte muslimsche Bevoelkerung verallgemeinern, heizen die Debatten und das negative Bild weiter an.

Die o.g. Kampagne kann nur fruchten, wenn es ein Teil eines Gesamtkonzepts ist. Dazu haette ich folgende Vorschlaege:

  • Politiker muessen sich klar dazu bekennen, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist
  • Sie muessen – so wie es auch Bundespraesident Wulff es gemacht hat – ganz klar sagen, dass es keinen Unterschied zwischen den Ethnien und Religionen in Deutschland gibt, und dass alle Menschen die gleichen Rechte und Pflichten haben, solange man deutscher Staatsbuerger ist.
  • Die Medien muessen ausgeglichener berichten. Es ist leider so, dass hauptsaechlich Negatives uber die Migranten berichtet wird. Postive Beispiele, oder auch das Normale, Alltaegliche wird zu oft weggelassen.
  • Die Mehrheitsgesellschaft muss mehr ueber die Migranten und ueber Ihre Religion aufgeklaert werden.
  • Den Rechtspopulisten und Hetzseiten muss staerker durch Beobachtung und Aufklaerung entgegengewirkt werden.
  • Der Volksverhetzungsparagraph muss in Bezug auf Hetze auf alle Religionen und Ethnien angewandt werden. In der Praxis findet es heute fast nur beim Leugnen des Holocaustes und das Zeigen verfassungsfeindlicher Symbole Anwendung.
  • Gleiche Chancen fuer Alle auf dem Job- und Wohnungsmarkt

Es gibt sicherlich noch weitere Punkte, aber wenn man einige der o.g. Punkte verwirklichen wuerde, waere man schon einen grossen Schritt weiter.