Erfolgsrezepte tuerkischstaemmiger Unternehmer

PricewaterhouseCoopers (PwC) ist einer der fuehrenden Wirtschaftspruefer- und Beratunshaeuser auf der Welt. In ihrer Studie “Erfolgsrezepte türkischstämmiger Unternehmer – ein Modell für Deutschland” zeigen sie auf, woher der Erfolg der tuerkischstämmigen Unternehmer kommt und was die Gesellschaft von dieser erfolgreichen multikulturellen Unternehmergruppe lernen kann. Hier sind einige Ausschnitte aus der Zusammenfassung:

[…]Ist von türkischen Mitbürgern die Rede, ist häufig der Weg zu Allgemeinplätzen und Vorurteilen nicht weit; Türken in Deutschland werden zumeist noch mit dem Bild der Gastarbeiter aus den 1960er-Jahren assoziiert. Doch die sogenannten Gastarbeiter sind in knapp 50 Jahren Teil der deutschen Gesellschaft, Kultur und Wirtschaft geworden. Mittlerweile – und das zeigt diese Studie – macht sich die zweite und dritte Generation vom Rande in die Mitte der Gesellschaft auf und hat sich teilweise bis an die Spitze der Wirtschaft vorgearbeitet. Viele türkischstämmige Unternehmer sind heute meilenweit von Bratspieß und Tee-tässchen entfernt.*[…] Deutsche Unternehmen können von ihnen lernen. Türkischstämmige Unternehmer sind offensichtlich gerade in Zeiten der Krise und der Rezession weitaus flexibler und risikofreudiger als ihre deutschen Kollegen. Sie verkörpern jenen Unternehmertyp, der im Zuge globaler Herausforderungen gefragt und gesucht ist. Unsere Mitbürger vereinen eine hohe Leistungsmotivation und den unbedingten Willen zum Erfolg mit Risikobereitschaft, mediterraner Lebenshaltung, einer starken Sozialkompetenz und hohem Verhandlungsgeschick […] Sie sehen ihre Mehrsprachigkeit und „Multikulturalität“ als Stärke..[…]

[…]. Zwar ist es für fast jeden Vierten noch „vollkommen offen“, in welchem Land er zukünftig leben wird, aber 63 % haben vor, auch weiterhin in Deutschland zu bleiben. Sie wollen Teil dieser
Gesellschaft sein, sie wollen das neue „Made in Germany“ mit produzieren. Einmal mehr wird hierbei aber deutlich, wie viel Leistungspotenzial vor allem bei (Migranten-)Kindern aufgrund mangelnder Bildungschancen nicht zur Geltung kommen kann und dass so der Volkswirtschaft Ressourcen vorenthalten werden.[…]

*Die Gastarbeiter von früher sind inzwischen ein beträchtlicher Wirtschaftsfaktor geworden: Nach Schätzungen des ifm Mannheim schaffen Existenzgründer mit Migrationshintergrund gut eine Million Arbeitsplätze in Deutschland. Gab es Mitte der 1970er-Jahre insgesamt gerade einmal 56.000 ausländische Selbstständige, so hat sich ihre Zahl im Jahr 2005 schon auf das Zehnfache und 2006 auf knapp 580.000 erhöht. Es gibt mittlerweile über 70.000 türkischstämmige Unternehmer in Deutschland, die vermehrt auch wissensintensive Dienstleistungen anbieten, Nischenprodukte produzieren oder als Industriedienstleister oder Zulieferer Hochtechnologielösungen bereitstellen.

Im Kapitel zur „Benachteiligung“ türkischstämmiger Unternehmer in Deutschland heisst es:

In den Vorsondierungsgesprächen haben die Unternehmer die Deutschen einige Male gegen das Vorurteil verteidigt, diese seien ausländerfeindlich.

„Man erzählt auch, dass man als Ausländer Nachteile in den Firmen hat. Mich hat keiner gebremst oder benachteiligt. Deutschland hat einen schlechteren Ruf, was die Ausländerfeindlichkeit anbelangt, als dies tatsächlich der Fall ist.“

„Ich habe noch nie erlebt, dass ich als Türke irgendwelche Nachteile in Deutschland hatte. Im Gegenteil: Dadurch, dass ich meine Landsleute besser erreichen konnte, hatte ich sogar Vorteile.“

Als Türken fühlen sich die Unternehmer in der deutschen Gesellschaft kaum diskriminiert. Dies kann verschiedene Ursachen haben. Sie sind erfolgreiche Unternehmer, die es „geschafft“ haben – nicht zuletzt, weil sie sich selbst intensiv und aktiv um Integration bemüht haben.

Es werden allerdings vereinzelt Nachteile geschildert, die man als türkischer Unternehmer zu bewältigen hat. Dies können z. B. sein:

„Schikanen“
„Man hat schon den Eindruck, dass man bei uns genauer hinsieht. Ich wurde zum Beispiel in einem relativ kurzen Zeitraum dreimal kontrolliert.“

Umgang mit Banken oder Behörden
„Wenn es um Verhandlungen mit Banken oder Behörden geht, dann schicke ich immer meinen deutschen Partner hin, dann wird es häufiger einfacher.“

Benachteiligung bei Auftragsvergabe
„Mit einem ausländischen Namen hat man teilweise Nachteile. Man traut uns vieles nicht zu, gerade im technischen Bereich. Wir müssen entweder viel besser oder viel billiger sein und auch dann ist es nicht sicher, dass wir einen Auftrag kriegen.“

Arbeitsrechtliche Schwierigkeiten
„Ich wollte Mitarbeiter aus der Türkei einstellen. Das durfte ich aber nicht, ich musste erst nachweisen, dass es keine geeigneten deutschen Arbeitslosen gibt. Aber ich brauchte ja eigentlich Leute, die Türkisch sprechen und die türkische Mentalität kennen.“

Die Unternehmer stimmen aber darin überein, dass mit wachsendem Erfolg diese Benachteiligungen geringer werden oder sogar ganz verschwinden.

Die o.g. Studie ist aus Februar 2009. Seit dem Erscheinen des Buches von Thilo Sarrazin hat sich die Integrationsdebatte und das Klima fuer tuerkischstaemmige Deutsche verschaerft. Zu oft wird nicht mehr rational argumentiert, sondern ideologisch und mit einer Stammtischmentalitaet. Es waere interessant zu erfahren, ob sich seit Sarrazin’s Buch das Klima der Benachteiligung und Diskriminierung auch fuer die Unternehmer, die generel zu der oberen Gesellschaftsschicht gehoeren, geaendert hat.

Die vollstaendige Studie koennt ihr euch hier herunterladen.