Deutschland: Das Land der unbegrenzten Moeglichkeiten

Wie schon mehrfach berichtet, hat Deutschland mehr Auswanderer als Einwanderer. Besonders bei den qualifizierten Fachkraeften macht es sich bemerkbar: Waehrend in Deutschland gut ausgebildetete Fachkraefte ihr Glueck im Ausland suchen (auch sehr viele Deutsche mit Migrationshintergrund, die die Diskriminierung und die Integrationsdebatte satt haben), ist es sehr schwierig, Fachkraefte aus dem Ausland nach Deutschland zu locken.

Waehrend die Wirtschaft pragmatisch denkt, handelt die Politik ideologisch:

[…]Ob eine Gesellschaft derart große Zuwandererwellen absorbieren kann, ist freilich eine Frage der Geisteshaltung. Viele Experten bezweifeln, dass Deutschland die nötige Einstellung besitzt. „Wir haben weltweit ein Imageproblem“, urteilt IZA-Präsident Klaus Zimmermann, „Wir gelten als Land, das niemanden reinlassen will.“[…]

[…}Während man in Australien oder Kanada pragmatisch denke – wir laden die Leute ein, weil sie uns Wirtschaftsleistung bringen – müsse man in Deutschland erst einmal politische Hürden überspringen: Sind muslimische Zuwanderer schlechter als andere? „Wahrscheinlich würde ein deutsches Punktesystem am Ende voller politisch motivierter Kriterien sein, anstatt wirtschaftliche Notwendigkeiten abzubilden“, sagt Knuth.[…]

Die Welt hat fünf führende Werbeagenturen gebeten, Plakate* zu entwerfen, die ausländische Fachkräfte von der Attraktivität Germanys überzeugen sollen. Die folgende Idee stammt von Serviceplan:

Ja, Deutschland ist tolerant und offen fuer Alle. Das Sommermaerchen der WM haelt immer noch an. Von Seehofer, Sarrazin, den juengsten Ergebnissen der Umfrage der Friedrich-Ebert-Stiftung ist natuerlich keine Rede. Auch nicht von der derzeitigen Stimmung gegen Migranten. Als ob die Fachkraefte, die man ins Land holen will, politische Aemter bekleiden wollten. Nein, sie kommen hierher um zu arbeiten, Geld zu verdienen und nach einigen Jahren weiterzuziehen.

Wenn diese Fachkraefte in Deutschland ankommen, und in der Mitte der Gesellschaft leben, und evtl. aus einer Region kommen, wo man nicht sehr westlich aussieht – ja sogar aus einem muslimisch gepraegten Land -, wie wird ihr Alltag aussehen? Welche Nachrichten werden sie in den Schlagzeilen der deutschen Zeitungen – besonders in der Springer Presse – lesen? Wie willkommen werden sie sich fuehlen?

Es ist unbegreiflich, dass die Politiker immer noch die Mentalitaet haben, als wuerden sich die Fachkraefte darum schlagen, nach Deutschland zu kommen. Als gaebe es keinen internationalen Wettbewerb fuer qualifizierte Fachkraefte (siehe hierzu auch diesen Artikel).

Ich wohne im Ausland, und gestern wurde die Rede von der Kanzlerin, die “Multikulti ist tot” ins Mikrofon rief, uebertragen und kommentiert. Wenn aus Deutschland berichtet wird, dann sind es meistens Negativmeldungen, die die Menschen an die Geschichte Deutschlands erinnern. Bei solchen Aussagen, und der Geschichte Deutschlands sind es eher Wunschtraeume der von der Ideologie der “deutschen und christlichen Leitkulter” besessenen Politiker, Massen von Fachkraeften ins Land holen zu koennen.

* im o.g. Plakat wird gesagt, dass der Gesundheitsminister Vietnamese ist. Ich dachte immer, Philipp Roesler waere Deutscher?! ;)