Das Islambild von ARD und ZDF

Wie wird das Thema Islam und Muslime in den sog. ‘Qualitaetsmedien’ behandelt? Zur Veranschaulichung habe ich mir nur einige wenige Titel der Sendungen im deutschen Fernsehen herausgesucht:

Hart aber Fair:

  • Schock-Entscheidung zum Minarettverbot – wie tief sitzt die Angst vor dem Islam?
  • Özil hui, Ali pfui – welche Zuwanderer brauchen wir?

Maybrit Illner:

  • Kruzitürken! Sind wir offen für muslimische Minister?
  • KREUZZUG 2010: Gehört der Islam wirklich zu Deutschland?

Maischberger:

  • Kopftuch und Kuran: Hat Deutschland kapituliert?
  • Schleier und Scharia: Gehört der Islam zu Deutschland?

Tacheles:

  • Islam in Deutschland: Friedensreligion oder Kultur der Gewalt?
  • Jung, muslimisch, arbeitslos: Ist die Integration gescheitert?
  • Gott, Allah und die Frauen: Diskriminierung im Namen des Herrn?

Aufschlussreiches zeigt eine Untersuchung der Deutschen Islamkonforenz mit dem Titel Das Islambild von ARD und ZDF auf, die von Prof. Dr. Kai Hafez und Carola Richter von der Universitaet Erfurt erstellt wurde (Hervorhebungen sind von mir):

[…]Insgesamt wurde der Islam in den vorstehenden Sendungen in 133 Sendungen und Einzelbeiträgen thematisiert. Im Ergebnis zeigt sich, dass 81 % aller Thematisierungen bei ARD und ZDF negativ konnotierten Themen zugerechnet werden können; lediglich 19 % repräsentieren ein neutrales oder positives Themenspektrum.[…]

[…]In der Gesamtschau lässt sich sagen, dass sich die Darstellung des Islam in den Magazin- und Talksendungen sowie Dokumentationen und Reportagen des öffentlich-rechtlichen Fernsehens zu über 80% an einem Bild orientiert, in dem diese Religion als Gefahr und Problem in Politik und Gesellschaft in Erscheinung tritt. Das Islambild dieser Formate bei ARD und ZDF ist ein zugespitz-tes Gewalt- und Konfliktbild, das den Eindruck vermittelt, dass der Islam weniger eine Religion als vielmehr eine politische Ideologie und einen gesellschaftlichen Wertekodex darstellt, die mit den Moralvorstellungen des Westens kollidieren.[…]

[…Im Einklang mit den großen internationalen Studien zur Berichterstattung über andere Kulturen und Länder kann aber gesagt werden, dass das Hauptproblem der Islambe-richterstattung von ARD/ZDF nicht so sehr die Darstellung von Konflikten an sich ist, sondern die extrem hohe Konzentration auf dieses Themenspektrum. Nicht die Darstellung des Negativen ist das Problem, sondern die Ausblendung des Normalen, des Alltäglichen und des Positiven.[…]

[…]ARD und ZDF definieren sich selbst als Vorbildmedien hinsichtlich der Berichterstattung über Fragen des kulturellen Zusammenlebens. […] Zumindest im Bereich der Islamberichterstattung bleibt allerdings fraglich, ob der Programmauftrag durch die derzeitige Praxis der Berichterstattung wirklich erfüllt wird. Statt einen neutralen Informationsansatz zu verfolgen, ist die sehr einseitige thematische Auswahl in den Magazin- und Talksendungen sowie Dokumentationen und Reportagen von ARD und ZDF dazu geeignet, eine in weiten Teilen der deutschen Bevölkerung bereits vorhandene Vorurteilsbereitschaft gegenüber dem Islam und die demoskopisch messbare “Islamangst” in Deutschland weiter zu steigern.[…]

Sabine Schiffer vom Institut fuer Medienverantwortung hat hier kommentiert, wie Gaeste fuer eine Talkshow ausgesucht werden:

[…]Ich erinnere mich an so einige Casting-Gespräche, die ich geführt habe – entweder über mich als potentiellen Talk-Show-Gast oder über Muslime, die ich nach bestimmten Gesichtspunkten empfehlen sollte: „gut Deutsch sprechend ohne Kopftuch“, „schlechtes Deutsch mit Kopftuch“, „gutes Deutsch mit Anzug und Krawatte“ usw. Heißt, es ist vorher klar, welche Rolle vorgesehen war und gespielt werden sollte. Und da hat dann fast jedes Mal Seyran Ates besser gepasst als ich[…]