Sommer, Strand und Me(h)er?

Fundstück der Woche

Wer kennt nicht die Strapaze, die uns mindestens einmal im Jahr trifft? Genau, der Sommerurlaub steht vor der Tür und die Familienmitglieder sitzen am großen Tisch und können sich vor lauter Reisekatalogen nicht entscheiden, wo der 14 Tage all inclusive Urlaub stattfinden soll. Spanien? Griechenland? Italien? Kroatien? Bulgarien?

Man entscheidet sich dann doch für die Türkei. All inclusive pro Person 200 Euro, im Gesamtpaket bei einer vierköpfigen Familie mit 800 Euro dabei, 2 Wochen, all inclusive. Essen/Trinken/Hotelbar ausplündern inbegriffen.

Die Koffer und die Kinder fertiggepackt, kann dem Jahresurlaub nichts mehr im Wege stehen. Koffer abgeben, einchecken, eins zwei Flei.

Endlich, wir sind an unserem Ziel angekommen. Das Hotel sieht von aussen einladend aus, der Pool schön groß, Liegestühle sind auch genügend vorhanden, da bräuchte man morgens um 6:00 Uhr keine Handtücher draufzulegen, was soviel heisst wie „reserviert für Familie Wachtendonk und Kinder!“

An der Rezeption das übliche Prozedere mit dem Papierkram überstanden, geht es Richtung Zimmerübergabe. Aufschliessen, rein ins Getümmel. Die Videokamera ausgepackt, auf der Suche nach Mängeln. „Renateeee!! Das Bett hat nur eine Maße von 1.75 m und nicht wie im Katalog  die  beschriebenen 2m!“ Weitere Mängel folgen (per Videokamera, soll als Beweismaterial dienen, von Urlaub/Erholung keine Spur).

„Helmuuuuut! Die Badewanne ist verschimmelt, der Duschkopf ist verkalkt! Und der Blick zum Meer, wo denn?? Ich habe freie Aussicht ins Nachbarzimmer gegenüber!! Ich bleibe hier keine Minute länger!!“ Die Diskussion folgt, mit dem nüchternen Ergebnis, man wolle sich erholen und die Tage mit der Familie geniessen.

Pünktlich um 20.00 Uhr, die Buffeteröffnung. Mit der Videokamera steuert man Richtung dem großen Fressen. Von warmen bis hin zu kalten Speisen alles vorhanden. Achtung, das Haar in der Suppe ist auch all inkl. „Drück auf Record Renateeee! Das  Reisebüro kriegt eine saftige Anzeige, wenn wir zurück sind, na warte!!“

Man hat Hunger, ist kurz vor einem Nervenzusammenbruch, die Kinder fangen an zu  quengeln, und der Abend nimmt seinen Verlauf. Das Buffet halb ausgeplündert, die Teller halbvoll zurückgelassen, das Dessert etwas angelöffelt, geht man zurück ins Zimmer und verbringt die Nacht in Ruhe, der Kopf leer der Magen voll.

Morgens um 6:00 pünktlich zum Frühstück, wird der Ehemann zum Pool gelotst…“Ne net da Helmut, direkt am POOL!! Ja DA!! 4 Liegen!! NET 2 LIEGEN HELMUT!!“

Mit der Anspannung im Nacken, die bevorstehende Anzeige im Heimatland, Videobeweismaterial, Anwaltskosten, Öffentlichkeitsarbeit verrichten, Lokalzeitungen sowie div. Fernsehsender kontaktieren, verbringt man zähneknirschend seinen Urlaub weiterhin im Hotel.

Gut, dass die Türkei-Türken integrierte Menschen sind, was täte man nur, wenn sie nur türkisch sprechen würden? Undenkbar. Die Vorarbeit wurde von vielen (mittlerweile dort ansässigen) „Kukident“ deutschen Touristen geleistet „Ich bringe dir deutsch bei und du gibst mir einen besseren Preis für die unechte Louis Vuitton Tasche, zusammen mit  dem Ledergürtel von Doltsche Gabbana?!“ „Tamam abi yapariz!“ (Geht klar  Bruder).

Früher war die gängige Sprache türkisch, heute sprechen nur noch die Eingeborenen und die Strandjungs der Hotels türkisch, die Ferienorte sprechen deutsch. Türkische Sprachkurse gibt es gratis, vom Bazaar Händler oder dem Teejungen. Auch die Preisetiketten wurden vor vielen Jahren mit dem türkischen „Lira“ Zeichen angegeben. Heute ist es der „Euro“. Da solle einer behaupten, die Türkei wäre nicht reif für die Europäische Union.

Mit Plastik-Tüten bepackt, bewegt man sich zurück ins Hotel. Einkäufe für die Heimat, mit den edelsten Marken. Kalvin Klein, Rolecks, Naik, Puhma (Produktionsfehler), erfreut über das erlernte Feilschen, wird in den nächsten Tagen die Rückreise angetreten. Das Videobeiweismaterial wird zudem auch schriftlich festgehalten, doppelt hält schliesslich besser.

Der letzte Abend rückt an. Was wäre ein Urlaub, ohne das vielversprechende Familienfoto, für die Daheimgebliebenen? Man fragt einen Hotelangestellten, der nur gebrochen deutsch spricht (kennt man ja von den Türken in Deutschland), das Foto zu schiessen.

„Du Fotto macken?“

„Woas?“

„Du Fotto macken von hier uns Familie, ja?“

„Oh Sie meina, i soll a Foto von Ihna und Ihra Familie mocha? Gern do.“

„?!?!?!?!“

Nach kurzweiliger Sprachprobleme (hochdeutsch trifft türkischen Niederbayer) verzögert sich die Fotosession um einige Minuten. Die türkische Kopftuchputzfrau Aische fegt nämlich strategisch im Hintergrund den Müllberg der Touristen vom Strand. Ungeduldig wartet man, bis sie aus dem Kamerablickwinkel verschwunden ist…..Fertig ist das Foto der frisch integrierten Familie Wachtendonk aus Deutschland.

Wäre es nicht wunderbar, wenn unsere ausländischen Mitbürger in Deutschland sich genau so gut integrieren könnten?

Vielen Dank an MultiBook fuer diesen Gastbeitrag. MultiBook ist eine politisch/sozial engagierte Schuelerin, die sich auf ihr Abitur vorbereitet.