Faktencheck: Deutschland schafft sich NICHT ab

Die Bertelsmann Stiftung versteht sich als unabhaengige und parteipolitisch neutrale Stiftung. Die Stiftung will “konkrete Beitraege zur Loesung aktueller gesellschaftlicher Probleme” leisten, indem sie fruehzeitig gesellschaftliche Herausforderungen identifiziert, sowie exemplarische Loesungsmodelle entwickelt und verwirklicht.

Zu der Integrationsdebatte hat die Stiftung eine Pressemeldung mit dem Titlel Deutschland schafft sich NICHT ab herausgegeben. In ihrem Faktencheck beweisen sie, dass viele Thesen in der aktuellen Integrationsdebatte weniger den Tatsachen entsprechen, sondern als langlebige Vorurteile und Legenden zu sehen sind. Hier ist die Zusammenfassung:

Vorurteil 1: Die Integrationspolitik der Vergangenheit ist gescheitert
Das sieht die Bevölkerung anders: Alteingesessene und Zuwanderer gleichermaßen sind mit der Integrationspolitik der letzten Jahre weitgehend zufrieden und blicken recht zuversichtlich in die Zukunft der Integration und Integrationspolitik. […]

Vorurteil 2: Das Klima zwischen Deutschen und Migranten wird immer schlechter und angespannter
Im Gegenteil: Insgesamt herrscht in Deutschland auf beiden Seiten der Einwanderungsgesellschaft ein freundliches Integrationsklima. […]

Vorurteil 3: Die Interessen der Ausländer werden zu stark berücksichtigt
Weniger als ein Drittel (30 Prozent) der deutschen Staatsbürger glauben, dass die Interessen der Ausländer in Deutschland zu stark berücksichtigt werden. Die Mehrheit meint dagegen, die Interessen würden gerade richtig berücksichtigt (44 Prozent); 17,1  Prozent erklären sogar, zu wenig […]

Vorurteil 4: Die Migranten sind für ihre Integration selbst verantwortlich, sie müssen sich mehr darum bemühen
Dass beide Seiten gleichermaßen für eine gelungene Integration verantwortlich sind, dessen sind sich sowohl Zuwanderer als auch Alteingesessene bewusst: In einer Umfrage des Sachverständigenrates deutscher Stiftungen für Migration und Integration von 2010 beantworteten rund 62 Prozent in beiden Gruppen, dass beide Seiten für Integration verantwortlich seien. […]

Vorurteil 5: Migranten haben kein Verhältnis zur Demokratie oder verachten sie sogar
Migranten stimmen der Demokratie in Deutschland fast ebenso sehr zu wie die deutschstämmige Bevölkerung. […]

Vorurteil 6: Vor allem Muslime sind in religiösen und politischen Fragen besonders intolerant
Die in Deutschland lebenden Muslime sind im Durchschnitt zwar religiöser als die übrigen Einwohner, aber gleichwohl in religiösen und politischen Fragen nicht weniger tolerant. Nach den Ergebnissen des Religionsmonitors der Bertelsmann Stiftung aus dem Jahr 2008 erklären unter den religiösen Muslimen hierzulande 67 Prozent, dass jede Religion einen wahren Kern hat und 86 Prozent, man solle offen gegenüber allen Religionen sein. Nur sechs Prozent finden dies nicht. […]

Vorurteil 7: Die Migranten glauben selbst nicht an eine gute Zukunft in Deutschland
Falsch: Die Zuwanderer in Deutschland schauen mit Zuversicht in das kommende Jahrzehnt. 53 Prozent von ihnen glauben mit Blick auf die nächsten zehn Jahre an eine gute Zukunft in der Bundesrepublik, bei den unter 25-Jährigen sind es sogar 70 Prozent. […]

Vorurteil 8: Die Migranten fühlen sich in Deutschland nicht wohl
Die überwiegende Mehrheit der Migranten fühlt sich in Deutschland wohl. Nach einer Umfrage der Bertelsmann Stiftung in 2009 sagen dies 69 Prozent der Migranten. Die überwiegende Mehrheit empfindet sich auch als Teil der deutschen Gesellschaft, lediglich für fünf Prozent gilt dies nicht. […]

Vorurteil 9: Migranten möchten mit den Deutschen nichts zu tun haben
Eine überwältigende Mehrheit der Migranten wünscht sich nach einer Umfrage des Instituts Allensbach im Auftrag der Bertelsmann Stiftung von 2009 einen engen sozialen Kontakt zur deutschen Mehrheitsbevölkerung.[…]

Vorurteil 10: Deutschstämmige Kinder fühlen sich in ihren Klassen angesichts der Vielzahl der ausländischen Mitschüler nicht mehr wohl
Zwei Drittel der Erstklässler deutscher Herkunft finden es völlig normal, Mitschüler mit anderen ethnischen Wurzeln zu haben. Durchschnittlich 60 Prozent der Erstklässler haben einen Freund oder eine Freundin anderer ethnischer Herkunft. Bei den Kindern von Migranten sind es sogar 72 Prozent. Freundschaften zwischen den Kulturen sind in diesem Alter eher die Regel als die Ausnahme: […]

Die o.g. Fakten spiegeln auch das wider, was man immer wieder von den wissenschaftlich arbeitenden Experten hoert: Dass das Bauchgefuehl der Menschen und die Realitaet sehr weit auseinandergehen. Das liegt vorrangig daran, dass in den Medien hauptsaechlich ueber die Misserfolge gesprochen werden. Foerderlich sind Sendungen wie Hart aber Fair sicherlich auch nicht, die mit einem reisserischen Titel und ihrem fragwuerdigem Gaestemix die Zuschauer ueber komplexe Themen in einer Stunde informieren soll. Auch sind die sogenannten Kritiker der Muslime, die am lautesten schreien (Kelek, Schwarzer, Broder, Giordano, etc.) ueberproportional in den Medien vertreten. Die ruhigen, moderaten Stimmen gehen in den Debatten unter. Dazu kommen noch die Hetzseiten, die mit ihren undifferenzierten und populistischen Aussagen die Aengste der Menschen – besonders vor den muslimischen Migranten – schueren.

Es ist an der Zeit, dass ueber dieses Thema vernuenftig aufgrund der Faktenlage diskutiert wird. Man sollte das Feld nicht den handvoll sog. Experten ueberlassen, die es ideologisch angehen, und auch noch durch den Verkauf ihrer Buecher mit der Verbreitung von Halbwahrheiten, Verallgemeinerungen und Angstmacherei Kapital schlagen.

Bitte lest euch die detaillierten Analysen zu den jeweiligen Vorurteilen auf der o.g. Webseite der Bertelsmann Stiftung durch.