Fremder im eigenen Land – Firas Maraghy

Vor ca. 3 Jahren kam der 39-jaehrige Palaestinenser Firas Maraghy nach Deutschland. Seine heutige Frau, eine Deutsche, lernte er bei der Arbeit in Jerusalem kennen und gemeinsam zogen sie nach Berlin, wo auch ihre Tochter geboren wurde, die inzwischen 7 Monate alt ist.

Maraghy stammt aus einer seit vielen Generationen in Jerusalem lebenden Familie. Wegen der israelischen Vorschrift fuer palaestinensische Buerger die in Jerusalem leben, hat er weder einen palaestinensischen noch einen israelischen Pass, sondern einen Status als “Staatenloser” und ist daher auf israelische Aufenthalts- und Reisedokumente angewiesen.

Die israelische Rechtsvorschrift besagt, dass diejenigen, die nicht laenger als sieben Jahre in Ost-Jerusalem gelebt haben, ihr Aufenthaltsrecht und ihre Reisepapiere verlieren. Aus Staatenlosen, die zudem keine vollwertigen israelischen Staatsbuerger sind, werden Fremde im eigenen Land.

Firas Maraghy hielt sich im Mai 2009 in Jerusalem auf, um beim israelischen Innenministerium seine Ehe in seine Papiere eintragen zu lassen. Das Innenministerium verweigerte die Eintragung, mit der Begründung, dass Herr Maraghy im Ausland lebe. Somit haette er seine Rechte als Einwohner verloren, obwohl – wie oben schon erwaehnt – die israelische Vorschrift den Verlust des Aufenthaltrechts erst nach 7 Jahren vorsieht.

Auch seiner Tochter werden die Papiere verwehrt, mit denen die Familie nach Ost-Jerusalem reisen, und sich dort laengerfristig aufhalten kann. Die Begruendung der israelischen Behoerden lautet, dass die Mutter des Kindes eine Deutsche sei und dass das Kind problemlos die deutsche Staatsbuergerschaft erhalten koenne. Das wuerde jedoch bedeuten, dass sie nur ein Touristenvisum bekommen wuerde, und nach max. 3 Monaten wieder ausreisen muesste.

Herr Maraghy wird somit vor die Entscheidung gestellt, Ende Mai 2011, wenn sein Reisedokument ausläuft, sich entweder von seiner Familie zu trennen oder seine Heimat zu verlieren. Denn er muss nach Jerusalem zurückziehen, um den Wohnsitz in seiner Heimat zu behalten. Deswegen befindet sich Firas Maraghy seit dem 26. Juli 2010 vor der Israelischen Botschaft in Berlin im Hungerstreik.

Maraghy sagt, er kaempfe für alle Palaestinenser, die Aehnliches erleben wie er, weil sie als Staatenlose im von Israel besetzten Ost-Jerusalem weniger Rechte haben. Neben palaestinensischen und israelischen Menschenrechtsorganisationen unterstuetzen ihn inzwischen auch Politiker, wie z.B. der Bundestagsvizepraesident Wolfgang Thierse.

Ich bitte euch, die Petition, die vom Jewish Voice for a Just Peace in the Middle East – EJJP German section gesponsort wird, zu unterzeichnen.

Einen ausfuehrlicheren Bericht ueber diesen absurden Fall gibt es u.a. in Der Freitag und der TAZ.