Broder's unertraegliche, berechtigte Kritik

Henryk M. Broder berichtet in seiner typisch polemischen, ja fast rassistischen Art und Weise ueber den folgenden Fall in dem Blog AchGut:

The Weekend Australian Magazine von heute berichtet über einen Fall praktizierter Islamophobie in Australien. Eine Muslima, die in einem Niqab also voll verhüllt, Auto fuhr, wurde bei einer Verkehrskontrolle gebeten, ihr Gesicht zu entblößen. Sie faßte dies als Zumutung auf und beschuldigte hinterher den Polizisten, sie angefasst zu haben. Die Polizei, die Medien und der Anti-Discrimination Board nahmen sich des Falles an, moslemische Organisationen empörten sich über einen Fall von “Rassismus”. Dann rückte die Polizei ein Video raus, das die Darstellung des Polizisten bestätigte, er habe die Frau weder “respektlos” behandelt noch angefasst. Nun diskutiert man in Australien darüber, wie man einen Fahrer (i.e. eine Fahrerin) identifizieren kann, der/die sich weigert, den Gesichtsschleier kurz anzuheben. Die Idee, voll verschleierten Frauen das Autofahren aus Gründen der Sicherheit zu verbieten bzw. ihnen zu raten, zu Fuß zu gehen und für längere Wege einen Esel zu nehmen, scheint naheliegend und zielführend, wird aber nicht artikuliert. Denn auch in Australien geht um “Muslim sensitivities” und die Frage, wie man ihnen begegnen soll.

Wir haben es mit einer besonders sensiblen Spezies zu tun, deren Angehörige sich in Afghanistan, Pakistan, im Irak und anderen Teilen der Welt fröhlich gegenseitig massakrieren, die aber ganz empfindlich reagieren, wenn sie von einem Kafir aufgefordert werden, sich auszuweisen. Das geht entschieden zu weit. Die Rücksichtnahme auf “Muslim sensitivities” erfordert es, dass der Kafir zum Islam konvertiert, bevor er eine Tochter Allahs darum bittet, ihm ihren Führerschein zu zeigen. Demnächst in Australien und später auch an der Kreuzung bei Ihnen um die Ecke.

Um Missverstaendnisse auszuschliessen: Ich bin gegen den Gesichtsschleier, oder die Burka und habe dazu schon einige Artikel verfasst (siehe z.B. hier). Aber was der Broder sich hier erlaubt, schiesst wieder einmal weit ueber das Ziel hinaus:

1. Sie solle einen Esel nehmen suggeriert natuerlich das zurueckgebliebene Bild, welches er von den Muslimen hat.

2. Er bezeichnet die Muslime als Spezies, was man sonst eigentlich nur bei Tier- und Pflanzenarten verwendet. Auf diese Weise wird eine bestimmte Gruppe von Menschen entmenschlicht. Egal ob man ein Problem mit verschleierten Frauen – oder mit Muslimen im allgemeinen – hat, aber man sollte trotzdem die Menschenwuerde nicht ausser Acht lassen. Hier ist auch ein Vergleich mit den Juden angebracht, die auch ueber Jahrhunderte hinweg als Ratten* bezeichnet wurden. Wenn man einen Menschen entwuerdigt und nicht mehr als Menschen erachtet (sondern als eine Art Spezies), dann hat uns die Geschichte gezeigt, wo es hinfuehren kann.

3. Er suggerieriert, ohne zu wissen ob die Frau eine geborene Australierin oder Migrantin ist, dass eine australische Muslimin etwas mit dem zu tun haette, was in Afghanistan, Pakistan, Iraq und sonstwo auf der Welt passiert. Broder erweckt den Eindruck, als ob alle Muslime auf der Welt ein Einheitsbrei waeren. Das waere so, als wuerde ich Broder, der selber ein Jude ist, mit den orthodoxen Siedlern in Israel, oder mit den terroristischen Aktivitaeten der Jewish Task Force gleichsetzen. Absurd!

Die Kritik, die Broder versucht zu ueben – und zwar, dass eine Frau ihr Gesicht zeigen sollte, und dass diese australische Frau in seinem obigen Artikel zudem gelogen haben soll – ist berechtigt. Aber was er aus der Tat der Dame gemacht hat, ist wie so oft wieder allerunterste Schublade.

Ich habe versucht, den Artikel auf den sich Broder bezieht, im Net zu finden, um seine Angaben zu ueberpruefen. Ohne Erfolg! Ich gehe dann davon aus, dass wir den Worten Broder’s ohne Zweifel Glauben schenken muessen.

*im Film Inglourious Basterds gibt es dazu einen sehr guten Ausschnitt. Eine exellente Darbietung von Christop Waltz, der fuer die Rolle des SS-Standartenfuehrers Hans Landa einen Oscar bekommen hat.