Und der diesjaehrige Freiheits-Oscar geht an…

…Necla Kelek.

Unfassbar, aber wahr. Die FDP-nahe Friedrich-Naumann-Stiftung wird dieses Jahr Frau ‘Doktor’ Kelek mit dem sog. Freiheitspreis auszeichnen. Zu Begruendung heisst es auf der Webseite der Stiftung:

Die Stiftung ehrt mit Necla Kelek eine Frau, die in der Integrationsdebatte mit hohem persönlichem Einsatz und nicht ohne Risiko für mehr Offenheit und Ehrlichkeit eintritt.

„Necla Kelek ist der lebendige Beweis dafür, dass der Islam und der freiheitlich-demokratische Wertekanon keine Gegensätze sind“, erklärten der Vorstandsvorsitzende der Stiftung, Wolfgang Gerhardt MdB, der Vorsitzende des Kuratoriums, Prof. Jürgen Morlok, und die Vorsitzende der Jury, Karen Horn. „In der Integrationsdebatte, in der es immer auch um Grundsätzliches geht, hat Frau Kelek stets klar Position für den Wert der Freiheit bezogen. Ihr Beispiel zeigt, wie gut Muslimen die Integration in die europäische Wertegemeinschaft gelingen kann. Sie ist eine zeitgenössische Vertreterin der Aufklärung.“

Mit dem Preis, der alle zwei Jahre verliehen wird, werden Persönlichkeiten gewürdigt, die Impulse für eine liberale Bürgergesellschaft gegeben haben und auf diese Weise zur Fortentwicklung freiheitlicher Ziele und Werte beitragen. 2006 ging der Preis an den früheren Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher, 2008 an den peruanischen Schriftsteller Mario Vargas Llosa.

Die FDP liegt lt. den jetzigen Umfragewerten bei ca. 4% und wuerde, wenn heute gewaehlt werden wuerde, wegen der 5% Huerde nicht in den Bundestag einziehen. Inzwischen haben die Waehler gemerkt, wie realitaetsfremd die Partei, auch durch die Aussagen ihres Vorsitzenden Guido Westerwelle, geworden ist. Das spiegelt sich auch an der Verleihung des Preises der FDP-nahen Stiftung an Necla Kelek wider.

Eine Frau, die mehr spaltet als bindet, die so gut wie von allen Muslimen/innen abgelehnt wird, die mit Diffamierungen und Hetze ihre Buecher verkauft (siehe z.b. meinen Artikel Wenn der muslimische Mann sich nicht bei der Frau entleeren kann... Weitere Artikel findet ihr in der Kategorie Necla Kelek) und sogar Freiheiten fuer muslimische Maenner und Frauen einschraenken will, hat so einen Preis nicht verdient. Es ist viel mehr ein Schlag ins Gesicht fuer diejenigen, die sich fuer ein Miteinander der Muslime und Migranten mit der deutschen Mehrheitsgesellschaft bemuehen.

Ich kann auch nicht verstehen, wie man Necla Kelek auf die gleiche Ebene stellen kann wie Hans-Dietrich Genscher, eine wuerdige Persoenlichkeit fuer diese Ehrung und einen der hervorragendesten Politiker unserer Generation. Die Gegensaetze koennten kaum groesser sein.

Auch der Liberal-Islamische Bund um Lamya Kaddor hat eine sehr treffende Pressemitteilung zu der Ehrung von ‘Doktor’ Kelek herausgegeben. Hier sind einige Ausszuege:

[…]Doch mit dem Hinweis auf ihre Errungenschaften ist es nicht getan. Zumal Frau Kelek durch ihre – in mehreren wissenschaftlichen Analysen hervorgehobenen – einseitigen und pauschalisierenden Äußerungen vielen unschuldigen Frauen und Männern muslimischen Glaubens in diesem Land geschadet hat. Mit ihren fragwürdigen Argumentationen hat sie mit dazu beigetragen, die gesamte muslimische Bevölkerung in diesem Land in ein schlechtes Licht zu rücken.

Als eins von vielen Beispielen für ihre oft entwürdigende Art, über muslimische Frauen und Männer zu sprechen, sei nur eine Äußerung aus einem Interview mit dem ZDF genannt: „Der muslimische Mann muss ständig der Sexualität nachgehen. Er muss sich entleeren, heißt es, und wenn er keine Frau findet, dann eben ein Tier… Das hat sich im Volk durchgesetzt, das ist Konsens.“ – Solche Bemerkungen entspringen sicher keiner Haltung des Pluralismus, der Toleranz oder auch nur des verantwortungsvollen Publizismus‘. Mit einer Würdigung der Sprecherin trägt auch die Friedrich-Naumann-Stiftung nicht zur Verständigung bei, sondern treibt den Keil, der leider bereits zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen besteht, weiter in die deutsche Gesellschaft hinein. Wir halten daher die Entscheidung, Kelek auszuzeichnen, für einen Fehler und für ein falsches Signal.

Unverständlich ist uns des weiteren, warum ausgerechnet die Friedrich-Naumann-Stiftung eine Person auszeichnen möchte, die in ihrer Beratungstätigkeit für den früheren Innenminister und auch in ihren publizistischen Arbeiten eben nicht die selbstverantwortliche Freiheit aller Bürger und Bürgerinnen, sondern eine eher repressive Politik befürwortet. Verbote und zusätzliche Reglementierungen für muslimische Männer und insbesondere Frauen, wie in der Kopftuchgesetzgebung, sind eben kein geeigneter innenpolitischer Weg, Gleichberechtigung und ein Leben in Freiheit für alle zu fördern.[…]

[…]Wenn Necla Kelek Vorbild für eine Integration in die europäische Wertegemeinschaft sein soll, dann heißt das nichts weiter, als dass die FDP-nahe Friedrich-Naumann-Stiftung Muslime nur unter den Bedingungen äußerster Assimilation als Gleichberechtigte Bürger zu würdigen bereit ist. Mit einer Fortentwicklung freiheitlicher Ziele und Werte hat dies nichts zu tun.[…]

Falls diese Ehrung an Necla Kelek bei euch genauso auf Unverstaendniss stoesst wie bei mir, dann schreibt bitte an info@freiheit.org eine kurze email, die in etwa so lauten koennte:

“Ihre Meldung, dasss Sie Necla Kelek mit dem Freiheitspreis auszeichnen wollen, hat bei mir Besorgnis ausgelöst. Meinem Eindruck nach sind Keleks publizistische Beiträge eher dazu angetan, eine Kluft in der deutschen Bevölkerung zu vertiefen, als Freiheit zu befördern.”

Am wirkungsvollsten ist es, wenn ihr eure eigenen Gedanken schreibt. Der o.g. Text sollte nur als eine Formulierungshilfe betrachtet werden.