Nach dem Studium wieder nach ‘Hause’

Immer mehr Migranten mit Studienabschluss kehren der Bundesrepublik den Rücken. Trotz gleicher Qualifikation haben sie auf dem deutschen Arbeitsmarkt nicht die gleichen Chancen. Vor allem Türken zieht es in die Heimat.

[…]Jeder dritte türkisch stämmige Migrant in der Bundesrepublik trägt sich mit der Absicht, in die Türkei zurückzukehren. Das geht aus einer Untersuchung des Zentrums für Türkeistudien an der Universität Duisburg/Essen hervor. Damit hat sich der Anteil der Rückkehrwilligen in den letzten zehn Jahren fast verdoppelt. Bemerkenswert ist vor allem, dass es gerade junge Akademiker nach ihrer Ausbildung an einer deutschen Hochschule zurück in die Türkei zieht. Und zwar nicht weniger als 35 Prozent. Bei einer Befragung des sozialwissenschaftlichen Instituts “Futureorg” nannten die meisten als Beweggrund, dass sie sich in Deutschland ausgegrenzt fühlen. Trotz ihrer Qualifikation. Dabei werden vor allem Ingenieure oder IT-Fachleute dringend gesucht. Insofern kann sich Deutschland, rein ökonomisch betrachtet, diese Rückwanderung eigentlich gar nicht leisten kann.[…]

[…]Auch Dirk Halm von Zentrum für Türkeistudien kann eine Chancenungleichheit von türkisch stämmigen Akademikern bei deutschen Unternehmen nicht negieren. Nüchtern stellt er fest: “Es ist in der Tat schon so, dass das alleinige Kriterium der nicht deutschen Herkunft bei ansonsten identischen Qualifikationen, auch in den letzten Jahren wissenschaftlich nachgewiesener Weise, ein Hindernis im Zugang zum Arbeitsmarkt ist.” Wenn der Bewerber nicht Schmidt, sondern Yüksel heiße, dann habe er die schlechteren Karten. Das sei beklagenswert, sagt Halm, und müsse dringend geändert werden.[…]

[…]Eine nicht zu unterschätzende Rolle bei dem Entschluss in die Türkei zurückkehren, spielt laut Halm außerdem eine Art Neubelebung der Heiratsmigration. “Aber nicht in Form von Heiratsmigration nach Deutschland, sondern auch in Form von Heiratsmigration von in Deutschland sozialisierten Migrantinnen und Migranten zurück in die Türkei, weil ein Ehepartner in der Türkei letztendlich auch aus wirtschaftlicher Perspektive sich anders darstellt als es noch vor 20 oder 30 Jahren der Fall war, als die wirtschaftliche Entwicklung in der Türkei nicht so günstig und so dynamisch gelaufen ist.”

Mit anderen Worten: Eine gute Ehe-Partie in der Türkei kann für einen türkischstämmigen IT-Fachmann oder Ingenieur mit einem Examen aus Deutschland eine erfolgversprechendere Perspektive bieten als jede Bewerbung in Deutschland. Nicht nur beruflich, sondern auch privat. Angesichts der Aussicht auf eine berufliche Karriere im prosperierenden Großraum Istanbul schließt selbst die emanzipierte Wirtschaftswissenschaftlerin Hacer Aydin diese Möglichkeit für sich selbst nicht aus.

In Zeiten der Globalisierung läuft Deutschland angesichts der steigenden Zahl von hoch qualifizierten Rückkehrern augenscheinlich Gefahr, die Intelligenz seiner Migranten zu verschleudern. Zum Nachteil aller. Nicht nur unter volkswirtschaftlichem Blickwinkel.[…]

Vielleicht waere dies der Anlass fuer die gute Frau Doktor Kelek, ein neues Buch ueber die Re-Importbraeute und Braeutigame in die Tuerkei zu schreiben. :)
 

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