Juedische Gruppen werfen Mankell Antisemitismus vor

Henning Mankell, der beruehmte schwedische Autor und ausgesprochener Gegner der Gaza-Blockade, war einer der Passagiere auf der Flotilla, die die Blockade brechen wollte, um Hilfsgueter nach Gaza zu bringen und um so auf das Schicksal von 1.5 Millionen Menschen aufmerksam zu machen. Die Schiffe wurden in internationalen Gewaessern von der israelischen Armee abgefangen und gestuermt. Dabei wurden 9 Aktivisten teilweise durch mehrere Kopfschuesse getoetet. Ich habe in meinem Blog bereits mehrere Artikel darueber geschrieben (siehe Label Nahostkonflikt).
Alleine die Tatsache, dass er mit an Bord des Schiffes war reicht fuer viele sog. Israelfreunde aus, die Antisemitismus-Keule herauszuholen, um den Autor zu denunzieren und mundtot zu machen. So ist es auch geschehen bei der Vorlesung seines neuen Buches in Radolfzell. Diese sog. Freunde Israel’s rechtfertigen jede Schandtat Israels als Selbstverteidigung und unterstuetzen jede entsetzliche und ueberzogene Aktion uneingeschraenkt. Der Suedkurier berichtet:

[…]Vertreter jüdischer Organisationen werfen Henning Mankell die Verbreitung antisemitischer Parolen vor und demonstrierten deshalb vor der Lesung des Autors im Milchwerk am Montagabend. Mankell war im Mai an Bord einer pro-palästinensischen Solidaritätsflotte. […] Sie verteilten Flugblätter mit Fragen an Henning Mankell und zeigten die israelische Fahne. Die jüdischen Demonstranten werfen dem Schriftsteller vor, antisemitische und antiisraelische Parolen zu verbreiten.[…]

Pro-palaestinensisch heisst automatisch anti-israelisch und antisemitisch?
[..,]Zu Ende seiner sehr unterhaltsamen Lesung ging Mankell kurz auf diese Aktion ein: Er wolle den Dialog mit allen und kämpfe überall gegen Diskriminierung. Außerdem seien zwei seiner besten Freunde Juden. […] Die jüdischen Vertreter hatten auf eine offene Diskussion gehofft und empfanden diese Reaktion als Enttäuschung und „Armutszeugnis“.

Ein Leser hat es in dem Kommentarbereich des Suedkurier’s wie folgt kommentiert: “Es ist ein Armutszeugnis Schiffe mit Hilfsgütern anzugreifen und Menschen zu töten, die anderen Menschen in Not helfen wollen. Es wird Zeit, dass dieses Schonprogramm für Israel vorbei ist und die Welt realisiert, was dort wirklich geschieht.”. Ich haette es nicht besser sagen koennen, und schliesse mich der Aussage uneingeschraenkt an.
Henning Mankell hat sich von der absurden Demonstration nicht provozieren lassen, und das ist auch gut so. Dadurch dass der Antisemitismus-Vorwurf nahezu bei jeder Gelegenheit erfolgt wenn Israel’s Politik kritisiert wird, wirkt es inzwischen inflationaer und immer mehr Menschen reagieren nicht mehr darauf. Das koennte evtl. zur Folge haben, dass man die wirklichen Antisemiten von den israelkritischen Stimmen nicht mehr unterscheiden kann. Das waere schade.