Ueber Burka-Verbot und Ausserirdische

In Europa ist der Burka-Streit entbrannt. Als ob Europa keine anderen Probleme haette, diskutiert man u.a. in Daenemark, Deutschland, Oesterreich, Schweiz, Frankreich und den Niederlanden ueber einen kompletten, oder eingeschraenkten Burka-Verbot im oeffentlichen Leben. In Belgien hat das Parlament bereits ein Burkaverbot beschlossen. Zur Unterscheidung der verschiedenen Bekleidungsformen muessen wir zuerst definieren, was eine Burka ist, und nicht ist:

Burka: Ein Kleidungsstueck, das der vollstaendigen Verschleierung des Koerpers dient. Auch das Gesicht ist bedeckt.

Tschador: Ein dunkles Tuch, das als Umhang um Kopf und Koerper gewunden wird und lediglich das Gesicht frei laesst.

Niqab: Ein Gesichtsschleier, dass in Verbindung mit einem Tschador, oder einem anderem Gewand getragen wird.

Burka-Traegerinnen sind extrem selten in Europa. In Belgien sind es ca. 0.01 Prozent der Musliminnen, und in den anderen europaeischen Laendern wird es aehnlich sein. Man sieht die Damen mit der Burka so gut wie gar nicht, ausser vielleicht zu den Ferienzeiten der Golfstaaten, wenn die reichen Sheikhs Urlaub in Europa machen, und ihre Frauen und Toechter bei Prada, Gucci, Armani etc. einkaufen gehen.

Um Misverstaendnisse auszuschliessen: Ich bin gegen die Burka, und gegen den Niqab. Das Gesicht sollte nicht verdeckt sein, und es ist auch keine religioese Pflicht. Es ist eine kulturelle Tradition in einigen Regionen der Welt, und wenn man in Europa leben moechte, sollte man von dieser Tradition abruecken. Genauso wie es selbstverstaendlich ist, dass die Europaerinnen, die in den Golfstaaten leben, sich auch den dortigen kulturellen Gegebenheiten einigermassen anpassen sollten.

Wie oben aufgezeigt, ist die Burka und das Niqab nicht gleichzusetzen mit dem Kopftuch, oder dem Tschador. Egal ob man das Kopftuch oder den Tschador mag oder nicht mag, man sollte sich nicht in die Bekleidungsvorlieben anderer Menschen einmischen.

Ich z.B. mag Piercing, besonders im Gesicht, nicht. Genauso wenig mag ich den Gothic-Look (auch Grufti’s genannt). Die Merkmale sind die schwarz-gefaerbten Haare, weiss-bleiches Gesicht, schwarze Bekleidung, oft mit langem Mantel und Metallverzierungen. Auf mich wirkt es unheimlich, ja fast bedrohlich. Mir sassen schon einige Menschen in der Bahn gegenueber, deren Gesicht zudem aussah wie ein Nagelbrett. Ich wuerde aber im Leben nicht daran denken, eine Initiative zu starten, die diesen Menschen verbietet, sich so etwas anzutun. Die Bedrohung, die ich fuehle, ist mein Problem, nicht deren. Ich muss lernen, damit zu leben. Genauso muessen die Kopftuechgegner damit leben und es akzeptieren, wenn sich eine Muslima freiwillig dazu entschliesst, ein Kopftuch zu tragen.

Also, warum diese Scheindebatte ueber das Burkaverbot, wenn es so gut wie keine Burka-Traegerinnen gibt? Fuer mich ist es offensichtlich, dass wieder einmal etwas hochstilisiert wird, um Aengste zu schueren. Die Zeit veroeffentlichte zu dem Burkaverbot in Belgien einen Artikel, dass es auf den Punkt bringt:

[…] Der Mehrheitsgesellschaft wird signalisiert, dass man etwas gegen “den Islam” unternimmt, dass man dessen angeblich aggressiven Ausbreitungslogik etwas entgegenzusetzen hat. […] Diesem Gesetz geht es gar nicht darum, Frauen zu helfen, sich aus patriarchalischer oder religiöser Bevormundung zu befreien. Belgien, das um die Einheitsfrage ringt, vergewissert sich mit einer solchen Abstimmung lediglich seiner eigenen Konsensfähigkeit. Offensichtlich ist das Feindbild Islam dafür bestens geeignet. […]

Was haben aber Ausserirdische mit der aktuellen Debatte zum Burkaverbot zu tun? Nun, Ausserirdische hat man in Europa nicht gesehen. Es gibt aber Einige die behaupten, schon welche gesichtet zu haben, ja sogar von denen entfuehrt und missbraucht worden zu sein. Viele haben auch Angst vor Ausserirdischen, die eine Gefahr fuer die Menschheit sein koennten, so wie es z.B in Hollywood-Filmen a la Independence Day thematisiert wurde. Ein Burkaverbot macht fast genausoviel Sinn, wie wenn man ein Gesetz gegen Ausserirdische erlassen wuerde. Es ist eine Scheindebatte, die nur Aengste vor einer vermeintlichen Gefahr schuert. Es loest keine Problem, weil es keine Probleme gibt. Es grenzt aus, anstatt zu integrieren.

Anstatt ein Burkaverbot zu erlassen, dass den betroffenen Damen nicht hilft, haette ich einen anderen Vorschlag: Leider ist es oft der Fall, dass die Burka in den patriachalischen Kulturen von den Ehemaennern, oder den Vaetern aufgezwungen wird.  Daher sollten sie geahndet werden, und nicht die Burka-Traegerinnen.

Was ist aber mit den Damen, die sich freiwillig dafuer entscheiden, die Burka, oder einen Gesichtsschleier zu tragen? Das ist eine schwierige Frage, denn man sollte die Freiheiten eines Menschen nicht einschraenken, weil es an anderer Stelle missbraucht wird. Aber ich bin trotzdem der Meinung, dass man durch Aufklaerung darauf hinarbeiten sollte, dass die Gesichtsverhuellung nicht mehr ein Teil des oeffentlichen Lebens ist. Schon alleine aus Sicherheitsgruenden sollte das Gesicht jederzeit sichtbar sein.