Feindbild Moslem

Ich habe vor kurzer Zeit das Buch Feindbild Moslem von Kay Sokolowsky gelesen, dass ich waermstens weiter empfehlen kann. Es ist eine Pflichtlektüre für jeden, der sich mit der neuen Fremdenfeindlichkeit, unter dem Deckmantel der Islamkritik, in der deutschen Gesellschaft auseinandersetzen möchte. Das Buch ist sehr gut recherchiert, und man  kann die  Argumente und Rueckschluesse des Autors gut nachvollziehen.

Anhand von Texten aus dem Hetz-Blog Politically Incorrect (PI-News) und den Aussagen von den sog. Kronzeugen Necla Kelek, Henryk M. Broder, Seyran Ates, Ralph Giordano und anderen ‘Kritikern’, wie Alice Schwarzer, macht er deutlich, wie Pauschalisierungen und Diffamierungen die Aengste vor den Muslimen schueren.

Fuer Sokolowsky ist die jetztige Islamkritik die Fortsetzung der Auslaenderfeindlichkeit aus den 80ern und 90ern. Er belegt es u.a. zum Beispiel anhand der Asyldebatte nach dem Fall der Mauer, die in den Brandanschlaegen von Moelln, Solingen, Hoyerswerda und Rostock ausarteten.

Ich moechte auch erwaehnen, dass das Buch im Umkehrschluss nicht islamfreundlich ist, weil die sog. Islamkritiker und Ihre Methoden unter die Lupe genommen werden. Im Gegenteil: Es kommt sehr deutliche Kritik vor. Allerding ist es objektiv gehalten und nicht polemisierend. Der Unterschied in Ton und Sachlichkeit, verglichen mit der Hetze und Polemik der sog. Islamkritiker, ist das Entscheidende.

Hier sind einige Aussagen von Kay Sokolowsky, die er in einem Interview mit Eren Guvercin gemacht hat:

[…]Der Antiislamismus ist nur ein Vorwand, eine Ausrede, um rassistische Hetze und migrantenfeindliche Bösartigkeit auszutoben. Die Muslimhasser diffamieren “die Muslime” und meinen damit jeden Menschen, der in erster, zweiter oder dritter Generation aus dem islamischen Kulturraum stammt. Es ist dabei ganz gleichgültig, ob die Menschen, die diskriminiert werden, tatsächlich Muslime sind.[…]

[…]Wer Jude sei, bestimme er, sagte Hermann Göring einmal. Die Muslimhasser definieren auf die gleiche Art, wer Muslim ist. Sie bauen sich ein Feindbild, um alle zu Feinden des Menschengeschlechts erklären zu können, denen sie feindselige Gefühle entgegenbringen. Auch das ist rassistische Praxis in Reinkultur. Mit Religionskritik und Aufklärung im seriösen Sinn hat das nichts, überhaupt nichts zu tun. […]

[…]Im Kern ist den Islamfeinden nicht der Islam verhasst, sondern der Türke, der Araber, der Fremde an sich.[…]

[…]Die Angst, die Al-Qaida verbreitet, ist der Nährboden für die Ideologie der Muslimhasser. Plötzlich sind Moscheenbauten und Kopftücher zu Politika geworden, und gewisse Publizisten haben sich fulminante Karrieren aufbauen können, indem sie der diffusen Furcht vor dem Islam Futter gaben.

Echte Wortführer – wie etwa den Rechtspopulisten Geert Wilders in den Niederlanden – hat die Islamfeindschaft in Deutschland nicht. Aber viele prominente Stichwortgeber. Dazu zählen etwa der Orientalist Hans-Peter Raddatz, der Journalist Udo Ulfkotte, die Soziologin Necla Kelek, die Bundesverdienstkreuzträgerin Alice Schwarzer und ganz besonders die Publizisten Henryk M. Broder und Ralph Giordano. Aus deren bösen Stichworten eine rassistische Ideologie zu erarbeiten, haben sich Tausende anonyme Hetzer in Internet-Blogs und -Foren auf die Fahne geschrieben.[…]

[…]Promovierte Autoren wie Raddatz oder Kelek geben dem muslimfeindlichen Gerede den Anstrich wissenschaftlicher Seriosität. Broder und zumal Giordano, die selber Zielscheiben antisemitischer Hetze sind, scheinen über den Verdacht erhaben, rassistische Ressentiments zu verbreiten. Die Hass-Blogger berufen sich nur zu gern auf solche Autoren, um von ihren eigenen rassistischen Motiven und von ihrem Wahn abzulenken. Deshalb habe ich in meinem Buch überprüft, wie glaubwürdig Kelek, Broder oder Giordano argumentieren. Das Resultat ist, um es zurückhaltend auszudrücken, wenig schmeichelhaft für die Autoren. […]

[…]Wer auch immer wagt, den Islamhass als neue Form des Rassismus zu benennen und vor den Muslimhassern zu warnen, sieht sich sofort einer breiten Front von Entrüsteten gegenüber, die “Ehrenmord” schreien und “Zwangsheirat”, “Al-Qaida” oder “Ahmanidedschad”. Kaum spricht einer aus, dass Islamkritik sehr vielen Rassisten als Vorwand dient, um hemmungslos gegen türkische und arabische Migranten zu hetzen, fordern die Kritiker von ihm ein, er solle erst mal was über den Glaubensterror in Saudi-Arabien sagen, bevor er sich über den muslimfeindlichen Rassismus beklagt. Ich erlebe das seit Veröffentlichung meines Buchs ständig.

Broder, Kelek und Giordano behaupten ja sehr gern, dass sie gegen eine überwältigende Meinungsdominanz von “Gutmenschen” in den Medien und der Politik anschreiben. Das ist absoluter Blödsinn. Es gehört in Deutschland kein bisschen Courage dazu, auf Muslime zu schimpfen. Man ist da ganz sicher auf der Seite der Mehrheitsmeinung, und man darf sich darauf verlassen, für das Angstschüren vor den Muslimen mit guten Platzierungen auf der “Spiegel”-Bestsellerliste und mit allerlei Literaturpreisen belohnt zu werden. […]

[…]Was bei PI gehetzt wird, das sickert hinaus in zahllose andere Weblogs und Internetforen, das findet sich in den Leserkommentarspalten sämtlicher Online-Ausgaben seriöser deutscher Zeitungen wieder – also nicht nur bei “Bild”, sondern auch bei der “Süddeutschen” oder der “FAZ” und immer häufiger auf den Digitalseiten der multikulturellen “Taz”. Die Autoren und Hardcore-User von PI sind die Avantgarde des Muslimhasses.[…]

[…Zumal den Muslimhassern nichts besser in den Kram passt als eine Öffentlichkeit, die sich um diese Explosion von Fremdenfeindlichkeit und Menschenverachtung nicht kümmert, die so tut, als seien die Muslime selbst schuld, wenn sie aufs gemeinste und ekelhafteste diffamiert werden.]

Das gesamte Interview koennt ihr hier lesen.