Die Rueckkehr an den Stammtisch

Hier sind einige Auszuege aus einem sehr lesenswerten Artikel in Die Zeit:

Für fünf Tage, sieben Stunden und 38 Minuten wirkte die CDU so, wie sie Angela Merkel gern hätte. So viel Zeit verging zwischen der Meldung, dass die Muslimin Aygül Özkan neue Integrationsministerin in Niedersachsen werde, und der Aufforderung eines CSU-Abgeordneten, sich zu überlegen, ob sie in der richtigen Partei sei.

So lange glänzte die Union als integrative, moderne Volkspartei. Eine Partei, die auch für Schwule, Muslime und berufstätige Frauen mit Kindern wählbar ist. Eine Partei, die manchmal fähig ist, Ideologie im Zweifel über Bord zu werfen, um gesellschaftliche Konflikte zum Vorteil aller zu lösen. Dann aber nahm sie wieder das Gesicht von Roland Koch und Edmund Stoiber an.
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Niemals wäre einer deutschstämmigen Unionsministerin nach einem solchen Vorschlag nahe gelegt worden, die CDU zu verlassen. Die Reaktionen waren wohl auch deswegen so hysterisch, weil eine offensichtlich vollständig integrierte Muslimin ziemlich glaubwürdig die Frage aufwerfen kann, warum der Islam, immerhin die Religion von Millionen Deutschen, trotz aller gegenteiligen Beteuerungen benachteiligt wird.
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Stattdessen ist da wieder die CDU der Stammtische. Dass es nicht ein konservativer Haudrauf wie Roland Koch, sondern der eher liberale Christian Wulff war, der die Bevorzugung christlicher Symbole erneuerte, stimmt ebenso nachdenklich wie das Schweigen jener, die der CDU in jüngerer Zeit ein solch liberales Gesicht gaben. Wo ist jetzt der nordrhein-westfälische Integrationsminister Armin Laschet? Wo ist Wolfgang Schäuble? Nichts ist von ihnen zu hören. Man ahnt den Grund: Niemand will kurz vor der NRW-Wahl innerparteiliche Diskussionen zu einem solch emotionalen Thema. Die vorgeblich liberale Führung fürchtet, dass auch die Basis ihrer Partei noch längst nicht so weit ist.
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Hier koennt ihr den gesamten Artikel lesen.